von B.M. Strebel
Xena Episodenführer Staffel 1
(II) Der Anfang einer großen Freundschaft
(22) Callisto (****)
Wir treffen die Schützin des Giftpfeils aus der vorher gehenden Episode und Xenas künftige Feindin Nummer eins: Callisto, Fleisch gewordene Bosheit mit viel blonden Haaren und langen, langen Beinen. Callistos Lebensziel ist die Vernichtung von Xenas Körper und Seele, denn Xena (die böse Xena von früher) ist verantwortlich für die Ausrottung von Callistos Familie. Soviel zur ganz und gar nicht überzeugenden psychologischen Begründung für Callistos abgrundtiefen Hass nicht nur auf Xena, sondern auf die Menschheit insgesamt. Callisto also ist das böse Mädchen vom Dienst und verfolgt Xena mit Inbrunst. Und weil Callisto eine Frau ist, hat sie auch sogleich begriffen, was bzw. wer Xenas Schwachstelle ist: Gabrielle. Flugs entführt die Böse Xenas Freundin und lockt unsere Heldin damit in einen Zweikampf. Den natürlich Xena gewinnt und Callisto umgehend ins Gefängnis befördert. (Wir wissen trotzdem instinktiv, dass es mit Callistos Rachefeldzug noch lange nicht zu Ende ist.)
Ich gestehe, dass mir der Charakter der Callisto trotz wackeligem psychologischem Fundament nicht schlecht gefällt. Callistos Obsession mit Xena trägt unverkennbar erotische Züge, was dazu führt, dass die Konstellation Callisto-Xena-Gabrielle mit jedem Auftreten mehr von einer Dreiecksbeziehung bekommt. Dass die Darstellerin der Callisto ausserdem unbestreitbar komisches Talent besitzt, verleiht dem Ganzen den Schuss Ironie, der die Geschichte erträglich macht.
Erwähnenswert ist zudem an dieser Folge die schöne Kuschelszene zwischen Gabby und Xena am Lagerfeuer. Xena weint still vor sich hin, weil sie an ihre eigenen grausamen Taten von früher denken muss, als sich Gabrielle neben sie setzt und sie trösten möchte. Süss, wie Gabby der Freundin die Tränen abwischt, rührend auch, wie sie sie bittet, ihr zu versprechen, niemals aus Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen zu einem Monster wie Callisto zu werden. Das ist Gabrielle, wie wir sie lieben: sanft, moralisch gefestigt und herzensgut rundum liebenswert eben. Das findet offenbar auch Xena, die Gabrielle in einem plötzlichen Anfall von Sentimentalität an sich drückt und meint: "Don't go changing, Gabrielle. I like you just the way you are!"
(23) Death Mask (***)
Nach dem vermeintlichen Papa trifft Xena nun auch noch den älteren Bruder, Torus, den richtigen allerdings. Torus befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen den Kriegsherrn, der vor langer Zeit Amphipolis überfallen und seinen kleinen Bruder, Lyceus, sowie die Seele seiner Schwester (Xena) auf dem Gewissen hat. Die Geschichte ist ein typisch amerikanisches Plädoyer gegen Selbstjustiz und für die Familie. Interessant ist die Folge höchstens, wenn man sich auf den "subtext" spezialisiert, denn Torus scheint gar nicht angetan von Xenas Freundschaft mit Gabrielle. Ausserdem darf Gabby ihrer Freundin hier erstmals eine hübsche Szene machen, die uns einen Vorgeschmack auf die "Ehekrisen" der kommenden Staffeln gibt. (Ich liebe es, wenn Gabby unserer Kriegerprinzessin die Leviten liest, ehrlich!)
(24) Is There a Doctor in the House? (*****)
Weil Xena entgegen anders lautenden Ratschlägen unbedingt die Abkürzung nach Athen nehmen will, landen unsere Heldinnen mitten in einem Bürgerkrieg. Dabei stolpern sie nicht nur über die schwangere Amazone Ephiny (uns bekannt aus Folge 10), sondern auch über eine Horde böser Buben, die Xena zusammen schlagen darf, nur um sie hinterher im Medizinertempel verarzten zu lassen. Bei Galen und Hippokrates kann Xena ihre Künste als Heilerin unter Beweis stellen. Und die sind wahrhaft revolutionär: Da wird genäht (mit Hirschsehnen und Riesennadeln), beatmet (mit Mündern und Schweinemägen) und verbunden (mit scheinbar unendlichen Vorräten von Verbänden) was das Zeug hält. Sieht zwar aus wie beim Metzger, ist aber ganz amüsant. (Sagte ich's nicht: Die kennen keine Angst vor Peinlichkeiten!)
Was diese letzte Folge der ersten Staffel zu einem Ereignis macht, ist aber nicht das viele Blut, sondern die umwerfende Szene zum Schluss. Gabrielle, wir kennen sie ja inzwischen als mutige und manchmal etwas übereifrige Menschenfreundin, hat sich aus dem Tempel ins Schlachtgetümmel gestürzt, um das Kind eines Verletzten zu retten, das draussen zurückgeblieben ist. Offenbar geht das Unternehmen schief, denn wenig später wird die blutüberströmte Gabrielle in den Tempel getragen.
Xena, die gerade 30 Minuten lang ohne mit der Wimper zu zucken Verwundete behandelt und ausserdem bei Ephiny einen Kaiserschnitt ohne Narkose durchgeführt hat, wird beim Anblick der verletzten Freundin beinahe hysterisch. Und als Gabby zu sterben scheint, beginnt unsere grosse Heldin sogar zu weinen. Es folgen bange Minuten, inklusive Mund zu Mund Beatmung. (Bei Gelegenheit muss ich mich einmal über die auffallende Häufigkeit von Mund zu Mund Beatmungen zwischen den Mädels verbreiten, aber ich möchte hier die Magie des Augenblicks nicht zerstören.) Erst Xenas verzweifelte Bitte: "Don't leave me!" und ihre recht unsanfte Behandlung von Gabbys lädiertem Körper bringen die Freundin schliesslich ins Leben zurück. Und während wir das Bild geniessen, wie Xena Gabrielle an ihren Brustpanzer drückt und (Huch!) auf die Stirn küsst, sind wir schon voll der Vorfreude auf die zweite Staffel.
Bewertungsschema:
|
o |
Geschmacklos |
*** |
Unterhaltsam |
|
* |
Eher dümmlich |
**** | Sehr empfehlenswert |
|
** |
Soso lala |
***** | Ein absolutes Muss |
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