von B.M. Strebel

Xena Episodenführer Staffel 1

(II) Der Anfang einer großen Freundschaft



(20) Ties That Bind (****)

Diese Folge ist ein Klassiker des Heldengenres: Jungfrauenrettung en masse!

Ich persönlich liebe an dieser Episode zwei Dinge: den Schluss und die Szene, in der Xena die geretteten Dorfmädchen beim Baden beobachtet. (Habe ich's nicht gesagt: Diese Badeszenen haben es in sich!)

Ares

Natürlich darf auch die Psychologie nicht fehlen, und weil alles was wir tun und lassen bekanntlich mit der Kinderstube zu tun hat, muss sich Xena hier mit ihrem Papa herumschlagen. Der Herr Vater taucht plötzlich aus dem Nichts auf und will sich bei der Tochter einschmeicheln, zum Leidwesen von Gabrielle, die sich überflüssig vorkommt. Glücklicherweise stellt sich Papa als ein Trugbild heraus: Es war nur Ares, der Xena einen Streich spielen wollte! So gelingt es Gabby, Xena, die nahe daran ist, aus Wut über den vermeintlichen Tod des vermeintlichen Vaters ein ganzes Dorf auszulöschen, zu besänftigen und die Katastrophe abzuwenden. (Man merke: Hier haben wir schon zum zweiten Mal die Konstellation Gabrielle-Xena-Ares angetroffen, wobei die „reine" und gute Gabrielle wie schon in The Reckoning klar als Gegnerin vom blutrünstigen, bösen Ares im Kampf um Xenas Seele erscheint. Dass diese „Dreiecksbeziehung" auch eine erotische Komponente hat, wird mit zunehmender Laufzeit der Serie immer deutlicher werden.)

Schließlich ist an dieser Folge vor allem der Dialog am Schluss bemerkenswert:
XENA: „Gabrielle? I want you to understand something: We both have families we were born into. But sometimes families change and we have to build our own. For me our friendship binds us closer than blood ever could."
GABRIELLE: „For me too."

Xena und Papa

Ich glaube, dass es sich hier um eine Schlüsselstelle der gesamten Serie handelt. Meines Wissens ist dies das erste Mal, dass Xena ihre Freundschaft mit Gabrielle mit dem Begriff der „Familie" in Zusammenhang bringt, wobei ihre Freundschaft als „Wahlfamilie" der Blutsverwandtschaft (und damit der „natürlichen" Familie) gegenüber gestellt und als wichtiger eingestuft wird. Diese an sich wenig aufregende Aussage erlangt einige Bedeutung, wenn man sie vor dem Hintergrund von Gabrielles Verhalten beim Auftreten von Xenas Papa interpretiert, den sie offensichtlich als Konkurrenz empfindet. Man beachte: Wäre Gabrielle ein Mann, das heisst Xenas Ehemann, würde sich der Konflikt zwischen dem Vater und ihr gar nicht stellen, denn niemandem käme es in den Sinn, dass ein Ehemann sich für seine zentrale Rolle im Leben seiner Frau gegenüber dem Schwiegervater schämen müsste. Gabrielle tut aber genau das. So gesehen ist Xenas abschliessendes Statement keineswegs eine Plattitüde, sondern ein schönes Bekenntnis zu dem zentralen Platz, den Gabby in ihrem Leben einnimmt.


(21) The Greater Good (*****)

Lange, lange habe ich mir den Kopf zerbrochen, wie man den Ausdruck „the greater good" passend ins Deutsche übersetzen könnte, und es ist mir bisher noch nichts Überzeugendes eingefallen. Das ist schade, schliesslich geht es hier um eines der wichtigsten, wenn nicht um das wichtigste Motiv der Heldengeschichte: der Einsatz für eine gute Sache, für die gute Sache, um genau zu sein.

Und wie in wahren Heldengeschichten üblich lautet die Alternative dramaturgisch zugespitzt: die gute Sache gegen das eigene Leben. (Übertroffen wird diese nur noch von der Alternative: die gute Sache gegen das Leben der geliebten Freundin. Siehe Folge 59.)

Xena wird in der ersten Szene von einem Giftpfeil getroffen, dessen Gift fortschreitende Lähmung hervorruft. Dummerweise sollte unsere Heldin ein Dorf vor einem Kriegsherrn beschützen, der sich in der Umgebung verschanzt hat. Weil das selbst für Xena mit gelähmten Beinen eine etwas schwierige Aufgabe ist, wird Gabrielle als Xena verkleidet los geschickt, um die Gegner so lange zu verwirren, bis unsere Heldin wieder auf dem Damm ist. Mit Xenas Gesundheit geht's indessen rapide abwärts, und als Gabby von einem Ritt ins Feindeslager zurückkommt, findet sie Xena leblos auf der Bahre vor.

Wenn wir nicht wüssten, dass es noch weitere 113 Xena-Folgen geben wird und Xena daher unmöglich tot sein kann, würde uns die Szene zweifellos zu Tränen rühren. Wundervoll gemacht ist das, wie Gabby versucht, Haltung zu bewahren angesichts der toten Freundin und den Kampf fortzuführen gelobt, nur um dann in der folgenden Einstellung vom Schmerz überwältigt mit ihrem Stab tränenblind auf einen Baum einzudreschen.

Da sind wir regelrecht glücklich für die arme Gabby, dass Xena sich im letzten Moment von der Lähmung erholt und das Blatt noch wenden kann. Und wirklich ist Gabrielle so überwältigt von der Freude, Xena wieder zu haben, dass sie im letzten Dialog das Herz auf der Zunge hat, obwohl sie eigentlich böse sein möchte auf die Freundin. — Nein, ich werde den Dialog hier nicht aufschreiben, weil er ohne die dazu gehörende Mimik schlicht nicht rüberkommt!


z u r ü c k | w e i t e r

Bewertungsschema:

o

Geschmacklos

***

Unterhaltsam

*

Eher dümmlich

**** Sehr empfehlenswert

**

Soso lala

***** Ein absolutes Muss

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