von B.M. Strebel

Xena Episodenführer Staffel 1

(II) Der Anfang einer großen Freundschaft



(2) Chariots of War (**)

Schon die zweite Folge stellt unsere Begeisterung arg auf die Probe. Als hätten sie Angst vor den in der ersten Folge aufscheinenden Möglichkeiten erotischer Verwicklungen („Die Geister, die ich rief..."), kriegen wir in Folge zwei gleich für beide Mädels eine heterosexuelle Schwärmerei vorgesetzt. Gabby sülzt uns bereits in der ersten Szene etwas von zwei ineinander verwachsenen Eichen vor und verleiht ihrer Überzeugung Ausdruck, dass auch Xena einmal ihren Eichenbaum finden wird. Xenas Antwort in gewohnt trockener Manier: „I find the strongest trees in the forest stand alone." Wir atmen auf, aber nicht für lange, denn bald darauf trifft Xena einen attraktiven Witwer mit drei kleinen Kindern, der ihr für den Rest der Folge schöne Augen macht, während Gabby sich allein in der Kneipe langweilt und einen langhaarigen Krieger mit sanften blauen Augen anzubaggern beginnt. Ächz!

Die Folge ist allerdings aus einem Grund interessant, weil sie uns nämlich vorexerziert, wie die strikt heterosexuelle Version von Xena aussehen würde: Xena mit Hausmann. Und, liebe Leute, um es gleich vorweg zu nehmen: Das würde einfach nicht funktionieren, denn da sind die Kinder und das Haus und der Herd... Zehn Folgen davon und Xena wäre tot, wegen schwindender Einschaltquoten abgesetzt. Nichts gegen den netten Witwer, wirklich, aber seine Anwesenheit bewirkt genau das, was man hätte voraussehen können, Xena verfällt in die Mutterrolle, bekommt diesen besorgten Ehefrauenblick und fängt im Geist schon an, Kochrezepte zusammen zu stellen. Man kann es förmlich riechen in der Luft, das Aus für Xena. Die Produzenten müssen das auch gemerkt haben, denn die Folge bleibt der einzige Flirt von Xena mit dem bürgerlichen Familienleben, wenn auch nicht mit dem männlichen Geschlecht per se.

Gabrielles Schäkereien wirken von der Figur her schon eher überzeugend, schliesslich ist unsere Gabby ein unberührtes Mädchen vom Land, das sich vielleicht erst einmal orientieren muss im Dickicht der Gefühle. Nur kann man sich fragen, warum die Gute einen derart miserablen Männergeschmack haben muss. Xenas Kommentar: „Remind me to talk to you about your taste in men some time."

Wir sind ungeheuer erleichtert, als unsere beiden Heldinnen am Ende der Folge zusammen weiter ziehen und Typ eins und zwei zurücklassen. Und dürfen hoffen, dass die Dinge besser werden, fragt doch Xena am Schluss ihre Gefährtin: „Do you ever miss your family?" Und Gabrielle antwortet: „Sometimes. But not as much when I am with you."


(3) Dreamworker (***)

Die erste Folge, in der Xena ihre neue Gefährtin aus den Fängen dunkler Mächte retten darf. Da haben wir das berühmte Motiv der Jungfrauenrettung. Uns gefällt's. Nicht dass die Geschichte an und für sich so bahnbrechend originell wäre. Der Gott des Schlafes, Morpheus, verlangt Jahr für Jahr nach einem Opfer, einem unschuldigen Mädchen, das noch nie getötet hat. Dieses Mädchen (im vorliegenden Fall Klein Gabby) wird in die Situation gebracht, dass es jemanden töten muss, um sein eigenes Leben zu retten. Geschieht das, verfällt das Mädchen auf immer dem Gott. Klar, dass Xena diese Aussichten gar nicht gefallen, also macht sie sich auf ins Traumland, um Gabby zu befreien.

Lustig an dieser Folge sind hauptsächlich die Dialoge zu Beginn, zumal wir eingeladen werden, zwischen den Zeilen zu lesen. In Dreamworker schlägt die Geburtsstunde dessen, was unter Xena-Jüngerinnen „Subtext" genannt wird, all diese wunderbaren Zweideutigkeiten nämlich, derentwegen wir diese Serie so lieben. Ein Beispiel: Da Xena es ablehnt, Gabrielle den Gebrauch eines Schwertes beizubringen — sie hat Angst, dass Gabby damit zur Zielscheibe werden könnte —, begibt sich Gabrielle heimlich in ein Waffengeschäft und ersteht einen „Brustdolch", den sie sich in den (bescheidenen) Ausschnitt steckt. Xena bemerkt, dass mit Gabbys Brüsten etwas nicht stimmt und guckt entsprechend verwundert.

XENA: „What's the matter with you?"
GABRIELLE: „What do you mean?"
XENA: „I don't know. You just seem... bigger."
GABRIELLE: „ No, I'm not. It's just this mountain air. I feel motivated."
XENA: „You didn't find a sorcerer to enhance your motives, did you?"
GABRIELLE: „No. Do you get over it?" (Der Brustdolch fällt zu Boden.) „Wow, would you look at that! I wonder what else is in these clothes. They're hand-me-downs you know." (Xena hebt den Dolch auf und schaut Gabrielle vorwurfsvoll an.) „I know, wisdom before weapons."
XENA (während sie den Dolch zwischen ihre Brüste schiebt): „I keep this for the time being."
GABRIELLE: „Hah! It's not that your breasts aren't dangerous enough." (Böser Blick von Xena) „That was a joke! You can laugh!"


Neben dem von dieser Folge an häufig wiederkehrenden Motiv der Rettung Gabrielles durch Xena verdient noch ein anderes Thema Beachtung, das uns fortan beschäftigen wird: Gabrielles „Reinheit" und „Unbeflecktheit" sowohl in sexueller Hinsicht als auch in Bezug auf das Töten. Xenas Weigerung, Gabrielle in die Kunst des Schwertkampfes einzuführen, entspringt nicht nur der Furcht, Gabrielle könnte im Kampf getötet werden, sondern mehr noch Xenas Obsession mit Gabrielles Freiheit von Blutschuld. „Purity" und „pure" sind von Xena häufig gebrauchte Worte, um Gabrielle zu charakterisieren. Damit wird Gabrielle zum reinen und reinigenden Prinzip in Xenas von Schuldgefühlen belasteter Existenz. (Ohne die Geduld meiner Leser überstrapazieren zu wollen, so denke ich doch, dass man diese Beziehungskonstellation durchaus auch als eine Art von „Subtext" interpretieren könnte. Von wegen Ying und Yang, männliches und weibliches Prinzip, Gegensätze, die sich anziehen, etc...)


z u r ü c k | w e i t e r

Bewertungsschema:

o

Geschmacklos

***

Unterhaltsam

*

Eher dümmlich

**** Sehr empfehlenswert

**

Soso lala

***** Ein absolutes Muss

Euer Feedback und eure Meinung zu Xena? Ins Forum.

Xena - Kommentar | Einführung | Übersicht || Sitemap