von B.M. Strebel

Xena Episodenführer Staffel 1

(II) Der Anfang einer grossen Freundschaft



(1) Sins of the Past (***)

Ich weiß nicht, ob ich auch Xena-süchtig geworden wäre, wenn ich mit einer anderen Folge, sagen wir mal mit The Path Not Taken oder Beware Greeks Bearing Gifts, eingestiegen wäre. Möglicherweise nicht. Der Zufall wollte es jedoch, dass ich eines langweiligen Tages beim Zappen ausgerechnet in der allerersten Xena-Folge landete. Und diese erste Folge machte mich schlagartig zum Xena-Junkie, und das, obwohl ich mir die Sendung auf Französisch ansah (und bitte: das spricht für mein Französisch und nicht gegen das Niveau der Serie!).

In Sins of the Past treffen wir Xena, wie sie gerade dabei ist, ihre Waffen für immer nieder zu legen und ein neues, friedliches Leben anzufangen. Dummerweise taucht, ausgerechnet als sie ihren Brustpanzer und ihre Lederkluft ausgezogen hat, eine Gruppe finsterer Typen auf, die eine Schar Gefangener vor sich her treiben. Unter den gefangenen Dorfbewohnern befinden sich auch Gabrielle und ihre Schwester Lila. (Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum die Leute so heißen, wie sie eben heißen. Vielleicht dachten die Produzenten, zu viele komplizierte antike Namen würden das Gedächtnis der Durchschnittszuschauerin über Gebühr strapazieren.) Noch in der Eröffnungsszene kommen wir in den Genuss einer Rettungsaktion Xenas im Unterrock, was nicht nur uns, sondern auch Gabrielle außerordentlich beeindruckt. Letztere beschliesst auf der Stelle, ihr ödes Dorfleben und ihren dümmlichen Verlobten zurückzulassen und mit Xena in die weite Welt zu ziehen. (Können wir bestens nachvollziehen diese Entscheidung, Poteidaia ist wirklich ein trübes Kaff!)

Xena ihrerseits ist nicht sehr begeistert von Gabrielles Ansinnen. „I travel alone", so ihr Kommentar, und als Gabrielle insistiert, fügt sie auf dem Weg zur Tür hinzu: „You don't wanna make me mad now, do you?" Ganz offensichtlich versteht Xena nicht viel von der Psyche verknallter junger Frauen, denn sonst wüsste sie, dass solch demonstrative Zurückweisung und Raubeinigkeit nur kontraproduktiv wirken können. Gibt es etwas Erotischeres als offen zur Schau gestelltes Einzelkämpfertum (lies: Einsamkeit)? Frauen, soviel wissen wir aus Tausenden von Jahren Kulturgeschichte, sind auf nichts so versessen, wie aufs Pflegen verletzter und verletzlicher Seelen, und wenn sich diese hinter einem harten Äusseren verbergen, umso besser!

Klein Gabrielle macht sich also mitten in der Nacht auf den Weg, um Xena nach Amphipolis zu folgen. Die eigentliche Handlung dieser ersten Folge ist rasch erzählt: Xena möchte ihre Mutter und die Bewohner ihres Heimatdorfes um Verzeihung bitten für die „Sünden der Vergangenheit". Mama schmeißt die ungeliebte Tochter vorerst hochkant hinaus. Doch Xenas Gelegenheit, sich zu rehabilitieren, naht in Gestalt eines verflossenen Liebhabers, des bösen Buben Draco, der Amphipolis bedroht. Es kommt zum Showdown in der Scheune (eine der originelleren Kampfszenen im ansonsten öden Einerlei von bis ins Letzte durchchoreografierten, viel zu langen Prügeleien), Xena gewinnt den Zweikampf, rettet ihr Dorf und bekommt die erhoffte Vergebung.

Gabrielle hat ihren großen Auftritt, als Xena von den Dorfbewohnern mit Tomaten beworfen wird, wobei sie zum ersten Mal ihre Rednergabe unter Beweis stellen kann. Widerwillig nimmt sie Xena daraufhin mit zum Grab ihres Bruders Lyceus. Als Xena dem Verstorbenen in der Grabkammer gesteht, wie schwer es sei, allein durchs Leben gehen zu müssen, betritt Gabrielle den Raum und sagt: „You are not alone." (Spätestens bei diesem Satz war es um meine Urteilskraft geschehen und auch jede Menge miserabler Folgen vermochten mich nicht mehr von meinem Entschluss abzubringen, mich durch sämtliche kommenden Staffeln zu ackern.) Am Ende dieser denkwürdigen ersten Folge verbringen die Mädels eine gemeinsame Nacht am Lagerfeuer (auf verschiedenen Seiten desselben, versteht sich) und wandern am kommenden Morgen Seite an Seite in den Sonnenaufgang.


z u r ü c k | w e i t e r

Bewertungsschema:

o

Geschmacklos

***

Unterhaltsam

*

Eher dümmlich

**** Sehr empfehlenswert

**

Soso lala

***** Ein absolutes Muss

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