von B.M. Strebel
Xena Episodenführer: Staffel 5
(VI) Fünfte Staffel: Die Freuden der Mutterschaft
Mit (ungeplanten?) Fortsetzungen ist es bekanntlich so eine Sache. In aller Regel sind sie schlecht. Und man kann leider nicht sagen, dass die fünfte Staffel von Xena dabei die berühmte Ausnahme wäre, welche die Regel bestätigt.
Besondere Vorsicht ist in dem Fall geboten, dass die Serie, für welche eine Fortsetzung erdacht werden soll, mit dem Tod der wichtigsten Protagonistin endet. Wenn die Schauspielerin, welche die Hauptrolle der männerlosen Superheldin verkörpert, dann auch noch (ungeplant?) schwanger wird, sollte man von einer Fortsetzung gänzlich absehen oder zumindest klug genug sein, mit den Dreharbeiten bis nach der Entbindung zu warten.

Nicht, dass dies bei Universal Studios irgendjemanden gekümmert hätte. Und so werden wir denn in der fünften Staffel mit einer Absurdität nach der anderen beliefert: Totenauferweckung, unbefleckte Empfängnis, Gefrierschlaf, Götterdämmerung - name it, and it's yours!
Nun ist es ja keineswegs so, dass die voran gehenden vier Staffeln völlig frei von Absurditäten und Idiotien gewesen wären. Wie häufig waren unsere Mädels schon halb oder ganz tot und sind wieder auferstanden? Derlei dramaturgische Entgleisungen sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass die Xena-Macher in der fünften Staffel permanent den Fehler begehen, die Serie zu Ernst zu nehmen. Hier herrscht ein so sträflicher Mangel an Selbsteinschätzung und konsequenterweise an Selbstironie, dass einen schaudert. Das ist, als würde ein dänischer Dogma-Filmer Star Wars kopieren oder (für die älteren Semester unter den Leserinnen) als würde der lokale Operettenverein Wagners Ring aufführen und zwar mit Herzblut und Überzeugung. Richtig, meine Damen und Herren, da fällt uns nur ein passendes Wort dazu ein: peinlich. Viel, viel Zeit habe ich denn auch während des Anschauens der fünften Staffel mit dem Finger auf der FF-Taste verbracht und inständig gebetet, meine Eltern mögen mich nicht vor dem Fernseher ertappen, während Xena gerade zum Engel mutiert oder als Skelett mit Alti kämpft.
Es gibt allerdings zwei Gründe, warum ich trotzdem nicht gänzlich auf die fünfte Staffel verzichten möchte. Erstens muss ich den Produzenten dafür gratulieren, dass endlich mal jemand auf die Idee gekommen ist, das Outfit unserer Heldinnen zumindest leicht zu variieren. Gabby sieht nie so scharf aus wie in der fünften Staffel, dank neuer Frisur und diesem sexy Ledermäntelchen, und Xenas Umstandsmode ist auch nicht ohne. Zweitens gestehe ich, dass Xenas Schwangerschaft und die Geburt ihrer Tochter neue Dimensionen für die Beziehung zwischen ihr und Gabrielle eröffnen, von denen ich nie zu träumen gewagt hätte. Im fünften Teil, liebe Schwestern, haben wir das häufig beschworene Familienmotiv in die Tat umgesetzt, und man muss den Macherinnen von Xena zu Gute halten, dass sie mutig die Konsequenzen aus den letzten vier Staffeln gezogen haben und sich nicht plötzlich in die gutbürgerliche Familienstube verkriechen. Gabby darf stolze Mit-Mutter werden, und dafür allein schaue ich mir auch gerne zehnmal soviel Schrott an!
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