von B.M. Strebel

Xena Episodenführer Staffel 4

Handkuss

(V) Vierte Staffel: Wege und Visionen



(69/70) Adventures in the Sin Trade I/II (****)

xena

Vom ästhetischen Gesichtspunkt her ist die Doppelfolge Adventures in the Sin Trade eine der gelungensten Episoden überhaupt: Die in Blau-, Braun- und Grautönen gehaltenen Landschaftsaufnahmen von Steppen, Wüsten und Wäldern erzeugen eine zugleich geheimnisvolle und bedrohliche Atmosphäre, Xenas Kostüm in den Rückblenden in die Zeit mit Borias ist das absolut Schärfste, was wir bisher gesehen haben, und die Amazonenkönigin Cyanne hätte von mir aus gerne eine Rolle in sämtlichen folgenden Xena-Episoden bekommen können.

Xena am Kreuz

Auch inhaltlich bietet die Folge einiges. Xena, überwältigt vom Schmerz über den Verlust Gabrielles, sucht den Gott der Unterwelt, Hades, auf und bittet ihn darum, Gabrielle noch einmal sehen zu dürfen. Hades ist von dem Anliegen sichtlich irritiert, denn Gabrielle ist nicht bei ihm in der Unterwelt aufgetaucht. Für Angehörige eines Amazonenstammes sei er nicht zuständig, so Hades. Also macht sich Xena auf ins Amazonenland, um Gabrielle in der Unterwelt der Amazonen zu suchen. Dabei wird sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert und schließlich sogar mit ihrer Zukunft. Die böse Schamanin Alti schickt ihr eine Vision von ihrem (Xenas) Tod am Kreuz. Weil in der Vision auch Gabrielle vorkommt, die gemeinsam mit Xena ans Kreuz genagelt wird, weiß unsere Heldin, dass die Freundin noch lebt, und reitet am Ende glücklich von dannen.

Xena trauert

Obwohl Gabrielle in der Episode nicht vorkommt, ist Adventures in the Sin Trade ein wahres "subtext"-Vergnügen. Schon die Tatsache, dass Xena völlig fertig ist nach dem (vermeintlichen) Tod der Freundin, lässt einem warm ums Herz werden. Ganz zu schweigen von der umwerfenden Szene (Rückblende), in der die böse Xena die nackte Amazonenkönigin beim Schwitzen in der Sauna beobachtet und dann durchs Dach der Schönen direkt vor die Füße fällt...


(71) A Family Affair (****)

Die Folge, in der Xena ihre geliebte Gabrielle wieder findet. Wie der Titel vermuten lässt, gibt es einige schöne "subtext"-Momente. Die Szene, beispielsweise, als die vermeintliche Gabrielle - später stellt sich heraus, dass es Hope ist - Xena nach Hause zu ihren Eltern bringt, ist ein wahres Kleinod. In ihrer Verzweiflung stürzt sich Mama auf Joxer, um ihn auf künftige Schwiegersohn-Tauglichkeit zu prüfen, während der grimmige Vater Xena gegenüber steht und ihr vorwirft, seine Tochter mit ihrem "Heroismus" verführt zu haben. Richtig ungemütlich wird einem da bei so viel familiärer Wärme!

xena

Wunderbar ist dann auch der Moment, wo Xena die richtige Gabrielle trifft und sie mit Tränen in den Augen und einem gehauchten "Oh, sweetheart, I am sorry!" in die Arme schließt. Dann kniet sich die Kriegerprinzessin vor der Freundin hin und küsst ihr die Hand, und wir fühlen uns wie im siebten Himmel.

Der Schluss schließlich bringt das Programm der gesamten vierten Staffel auf den Punkt. Nachdem sie Hope und ihrem Kind, einem Menschen fressenden Monster mit Stacheln und Reißzähnen, den Garaus gemacht haben, sitzen die Freundinnen erschöpft auf der Bank vor der Scheune, in der die Toten liegen, und Gabrielle gesteht Xena, dass sie das Gefühl hat, ihren Weg verloren zu haben. Xena, nie eine Frau für tief schürfende Gespräche, kann darauf nur hilflos erwidern, für sie sei Gabrielle ihr Weg und dass es ihr egal sei, was Gabrielle unternehmen wolle, um ihren Weg zu finden, "as long as we do it together". Wer würde da nicht schwach! Gabby wird es, setzt sich neben Xena und lehnt ihren Kopf an deren Schulter.

Willkommen in der vierten Staffel, Schwestern!


(72) In Sickness and in Hell (o)

Ein ganz böser Fehlgriff, und das gleich nach der schönen Wiedersehens-Folge. Brrrrr!!! Der Titel ist mit Abstand das Beste daran. War ja eine nette Idee, diese Anspielung auf die bekannt Formel im Heiratsversprechen, nur leider ist die Episode an sich miserabel. Humor von der schlechtesten Sorte wird uns geliefert, alles aus der untersten Schublade. "Badezimmer-Humor", wie es treffend in einem Kommentar auf einer Webseite heißt.


(73) A Good Day (***)

xena

Düstere Folge. Eine von einigen Episoden der vierten Staffel, die eigentlich ziemlich traurig sind. Um zu verhindern, dass der Bürgerkrieg zwischen Cäsar und Pompeius ganz Griechenland verwüstet, will Xena eine Entscheidungsschlacht zwischen den feindlichen Armeen provozieren. Das gelingt ihr auch, allerdings zum Preis des Lebens vieler tapferer Dorfbewohner. A Good Day ist eine typisch amerikanische Ode an den Heroismus des kleinen Mannes (und der kleinen Frau). So fragwürdig diese "Moral der Geschichte" ist, so muss ich gestehen, dass mir die Folge trotz allem nahe gegangen ist. Es ist das einzige Mal, dass mich die Kampfszenen tatsächlich erschüttert haben, und das Bild von Gabrielle, die verzweifelt über der Leiche des Helden der Woche kauert war wirklich herzzerreißend.

Hübsch auch die Szene, wo Gabrielle und die Frau des Helden der Woche über die Schwierigkeiten und Nöte einer Soldatengattin diskutieren: Die Frau erzählt, wie schreckliche Sorgen sie sich jeweils mache, wenn ihr Mann in die Schlacht ziehe. Darauf Gabby ganz verständnisvoll: "I know what you mean."


(74) A Tale of Two Muses (**)

Eine Stadt, in der das Tanzen verboten ist, wird von Gabrielle und Xena mit Hilfe von Freund Autolycus bekehrt. Autolycus macht als evangelischer Fernsehprediger eine gute Figur. Ansonsten ist die Episode eher langweilig.


z u r ü c k | w e i t e r

Bewertungsschema:

o

Geschmacklos

***

Unterhaltsam

*

Eher dümmlich

**** Sehr empfehlenswert

**

Soso lala

***** Ein absolutes Muss

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