von B.M. Strebel

Xena Episodenführer: Staffel 4

Xena & Gabrielle

(V) Vierte Staffel: Wege und Visionen

Gabrielle

Als Gesamtheit betrachtet ist die vierte Staffel meiner Meinung nach die gelungenste von allen. Das "Leitthema" ist bedeutend weniger absurd als in Staffel drei und auch konsequenter durchgezogen: Nach all den schmerzvollen Erfahrungen, welche sie in der letzten Saison gemacht hat, steckt Gabrielle in einer tiefen Krise und begibt sich auf die Suche nach dem Lebenssinn. Xena tut die ganze vierte Staffel hindurch nichts anderes, als ihre Freundin auf ihrem Weg zu begleiten und sie bei der Sinnsuche zu unterstützen, auch wenn diese plötzliche Umkehrung der Rollen nicht ganz konfliktfrei verläuft. In der vierten Staffel tritt uns eine neue, selbstbewusste Gabrielle entgegen - und eine geläuterte Xena, die endlich begriffen zu haben scheint, dass eine Beziehung keine Einbahnstrasse ist und dass auch Gabrielle ein Recht auf Selbstverwirklichung besitzt. (Ich für meinen Teil halte diese Wendung der Dinge für sehr bereichernd, gibt sie einem doch das Gefühl, dass man es mit Menschen zu tun hat, die sich verändern und entwickeln dürfen und nicht bloß mit stereotypen Figuren. Ein Blick auf die ausgedehnte Landschaft von Xena-Webseiten hinterlässt allerdings den Eindruck, dass nicht alle meine Ansicht teilen. Vielen ist die neue Gabby zu "tough"...) Unbestritten stoßen wir in Staffel vier zu bisher ungeahnten Höhen vor, was die Intensität der Beziehung unserer Mädels betrifft, und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir in dieser Saison geradezu mit "subtext" überschüttet werden.

Wer die voran gehenden Staffeln gesehen hat, wird bestätigen, dass sich die beschriebene Entwicklung in der Freundschaft der beiden Heldinnen bereits früher angedeutet hat. So gesehen handelt es sich bei Saison vier bloß um die logische Konsequenz aus der früheren Arbeit, was dem Ganzen zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht. Auch die Art und Weise, wie Gabrielle sich in Staffel vier zu verwirklichen sucht, ist in sich stimmig und entspricht dem Charakter der Figur, wie wir sie bis hierher kennen gelernt haben: Gabby wendet sich nämlich dem "Weg der Liebe" zu und übt sich in Gewaltlosigkeit und innerem Frieden.

Kreuze

Wenn man irgendeine Xena-Staffel irgendwie ernst nehmen kann, so diese vierte. Neben viel Witz und Ironie entdeckt man in dieser Saison einen neuen, melancholischen Grundton in der Serie und einen gewissen Hang zur Düsternis, der sich ja bereits in der dritten Staffel - auf allerdings reichlich abstruse Weise - angedeutet hat. Und weil die Konflikte in dieser Saison vergleichsweise realistisch sind, darf man das eine oder andere Mal tatsächlich richtig traurig werden. Die neue geistige (will sagen: spirituelle) Tiefe in der Serie hat natürlich auch ihre Schattenseiten. Elemente, die einigen Zuschauerinnen sauer aufstoßen dürften, sind insbesondere das Auftreten des Jesus-Verschnitts Eli sowie die wiederholten Rückgriffe auf christliche Symbolik (i.e. das Kreuz). Des Weiteren führt die neue Ernsthaftigkeit leider auch dazu, dass Gewalt und Brutalität im vierten Teil eine Dimension annehmen, die mit den harmlosen Asterix-und-Obelix-Prügeleien der Anfangsstaffeln nicht mehr viel gemein hat.

Xena

Es soll nun aber nicht der Eindruck entstehen, Xena sei urplötzlich zur Ernst zu nehmenden, kultivierten Fernsehunterhaltung verkommen. Weit gefehlt! Auch in der vierten Staffel werden wir mit den von uns so heiß geliebten künstlerischen Höheflügen beglückt. Ich sage nur: Our girls do India!

Die Episoden | Staffel 5


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