von B.M. Strebel

Xena Episodenführer Staffel 2

(III) Traute Zweisamkeit



(25) Orphan of War (***)

In „Kriegswaise" bekommen wir vorgeführt, was das Grundproblem mit weiblichen Helden ist, die Biologie, soll heissen: die Mutterschaft. Und wie bereits in der Einleitung besprochen: im Gegensatz zu Vätern (heroischen Vätern, um genau zu sein) wird es den Müttern nicht verziehen, wenn sie die Brut verlassen. Vor allem verzeihen es sich die Mütter selbst nicht. Das gilt auch für unsere Heldin Xena, die nach Jahren ihren Sohn Solan wieder trifft. Damals, in den dunklen Tagen dumpfer Abschlachterei, hat sie ihn bei den Zentauren zurückgelassen, damit er in Frieden aufwachsen möge — ohne den schlechten Einfluss der bösen Mama. Nun führt ihr Weg die geläuterte Xena zurück an den Ort des Geschehens, zu den Zentauren und ihrem Sohn.

Sohn Solan

Das gibt, wie man sich denken kann, Anlass zu viel Gefühlsduselei. Wäre der Junge nicht so süss, wäre die Episode unerträglich kitschig. Doch Solans liebenswerter Charakter und ein paar rührende Momente zwischen den Freundinnen machen die Folge zu einem lohnenswerten Zeitvertreib. Ganz besonders liebe ich die Szene, wo Gabby und Solan über Xena ins Schwärmen geraten.

Der Plot? Irgendetwas mit einem Zauberstein und Borias' Schwert.


(26) Remember Nothing (****)

Netter Einfall: Xena, die wie jedes Jahr ihrem verstorbenen Bruder Lyceus die Ehre erweist, erhält von den Schicksalsgöttinnen die Chance, die Uhr ihres Lebens zurückzudrehen und alle ihre Fehler ungeschehen zu machen. Unsere Heldin sieht sich zurück versetzt ins Amphipolis ihrer Jugend, ihr Bruder Lyceus hat den Angriff von Cortese überlebt, Xena trifft ihren Verlobten und scheint ganz glücklich über die Lage der Dinge (wenn auch nicht unbedingt darüber, dass sie in diesem Leben verlobt ist), bis sie feststellt, dass in dieser Version ihres Daseins (A) ihre Mama tot und (B) Gabrielle eine Sklavin ist. Vorerst glaubt Xena, das Problem lösen zu können, indem sie Gabrielle aus der Sklaverei befreit, ein Schritt, der allerdings Xenas Verlobtem nicht behagt (angeblich aus Angst vor dem Besitzer von Gabrielle, denkbar wären aber auch andere Gründe...), der dem Sklavenhalter verrät, wo Xena seine Sklavin hin gebracht hat.

Gabby im Kerker

Sogleich landet die ganze Gesellschaft im Kerker, aus dem sie wenig später von Xenas Verlobtem reumütig befreit werden. Bruder Lyceus will nun den Sklavenhalter und Kriegsherrn stoppen und fordert Xena auf, ihm dabei zu helfen. Die Krux: Xena darf in diesem Leben niemanden töten, sonst ist der Spuk zu Ende und alles wie zuvor. Standhaft weist Xena Lyceus' Aufforderung, zum Schwert zu greifen, zurück, bis sie sieht, wie Gabrielle im Begriff ist, ihren früheren Besitzer zu töten. Da begreift Xena, dass sie in dieser Alternativ-Version ihres Lebens mehr zu verlieren, als zu gewinnen hat und tötet den nächst besten Mann. Augenblicklich sind wir zurück im Leben B, wo Lyceus tot, Gabrielle dafür von Blutschuld rein ist.

Eigentlich wäre Remember Nothing eine sehr ansprechende Folge, wenn die Drehbuchautoren nicht allzu krampfhaft darum bemüht gewesen wären, die offensichtlich romantischen Untertöne der Begegnung zwischen Xena und der Sklavin Gabrielle durch plumpe dramaturgische Verhüllungsversuche — es wird uns weis gemacht, dass sich zwischen Gabrielle und Lyceus ein Verhältnis anbahnen könnte — zu banalisieren.

Den Moiren sei Dank, dass uns die Produzenten mit der ersten Version von Xenas verkrachter Existenz beglückt haben und nicht mit dem faden Abklatsch aus dieser Episode!


(27) Giant Killer (***)

Von Amphipolis ins Gelobte Land und das in einer Woche! Man muss die Tüchtigkeit unserer Heldinnen wirklich bewundern. In der Eröffnungssequenz treffen wir Goliath und wissen: In dem Fall kann David nicht weit sein. Gut Kombiniert, Freunde!

In Palästina angekommen befreien Xena und Gabrielle eine Gruppe von den Philistern gefangen genommene Juden, unter ihnen auch David, der künftige König der Israeliten. Goliath ist ein Söldner der Philister, zugleich aber auch ein Freund von Xena, was zu einem Loyalitätskonflikt führt. Da wir jedoch von Anfang an wissen, dass die Bibel Recht hat und Goliath sterben muss, getötet von Davids Steinschleuder, ist das Ganze nicht gerade bahnbrechend spannend.

Gabby durchlebt ihre letzte Schwärmerei für einen poetischen Jüngling (der Psalmen verfassende David natürlich), der, wie bibelfeste Zuschauerinnen wissen, jedoch bereits verlobt ist. Zu unser aller Erleichterung gibt Gabby das Klimpern mit den Augenwimpern denn auch schleunigst auf und widmet sich in der Folge wieder dem, was sie am besten kann: der Sorge um Xena.


(28) Girls Just Wanna Have Fun (***)

Das Vampir-Motiv, werte Leserinnen und Leser, war ja schon immer bekannt für seine (homo-) erotischen Untertöne. Und wirklich darf die in eine Bachantin verwandelte Gabrielle gegen den Schluss der Folge mit ihren spitzen Zähnchen ausgiebig an Xenas entblösstem Hals saugen. Kennerinnen der Antike mögen sich empört fragen, was Bachantinnen — die berauscht rasenden Verehrerinnen des Weingottes Bachus — mit Vampiren zu tun hätten, aber angesichts des erotischen Highlights, welches uns hier geliefert wird, wollen wir es mal nicht zu genau nehmen. (Dennoch muss es zur Warnung für empfindsame Puristenseelen gesagt sein: Die Episode ist allgemein etwas gewöhnungsbedürftig, was die „Ambience" betrifft. Ich erwähne nur solch wunderbare Stilblüten wie pseudo-antike Lack und Leder Partys zu Hip-Hop-Musik und abgeschlagene Köpfe, die munter weiter plaudern...)


z u r ü c k | w e i t e r

Bewertungsschema:

o

Geschmacklos

***

Unterhaltsam

*

Eher dümmlich

**** Sehr empfehlenswert

**

Soso lala

***** Ein absolutes Muss

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