von B.M. Strebel
Xena Episodenführer: Staffel 2
Xena & Gabrielle
(III) Zweite Staffel: Traute Zweisamkeit

In der zweiten Staffel dürfen wir die Früchte der ersten ernten und das mit viel Genuss, wie wir zugeben müssen. Das ist solide dramaturgische Handwerkskunst, was wir hier geboten bekommen. Es scheint, dass die Figuren mittlerweile zu ihrem jeweiligen Charakter gefunden haben, und folglich nehmen auch die Beziehungsmuster in der zweiten Staffel eine klarer umrissene Form an.
Die psychologischen Verfeinerungen der zweiten Saison beglücken uns auf doppelte Weise: Erstens nehmen wir mit Freuden zur Kenntnis, dass sich zunehmend romantischere Töne in die Freundschaft zwischen unseren beiden Heldinnen mischen. Zweitens bringt das von den Xena-Machern psychologisch konsequenter durchdachte Verhältnis zwischen Xena und Gabrielle auch die Gelegenheit zu jenen feinsinnigen Beziehungsparodien mit sich, die wir an dieser Sendung so lieben. Gabrielle leidet am typischen Ehefrauen- bzw. Hausfrauensyndrom, dem Frust nämlich, mit einer Heldin "verheiratet" zu sein, die überall Ruhm erntet, weil sie fürs Gute kämpft, dabei aber vergisst, sich daheim auch einmal fürs Kochen zu bedanken.

Allerdings hat Gabby in der Zwischenzeit gemerkt, dass sie durchaus Einfluss auf Xena auszuüben vermag, denn Frau Superheldin ist unter dem harten Brustpanzer eine ganz Empfindsame und hängt sehr an der guten Seele am Lagerfeuer (lies: Herd). Und weil das so offensichtlich ist und Xena mutig immer wieder alles riskiert, um Gabrielle zu retten, können wir mit dem steinzeitlichen häuslichen Arrangement auch ganz gut leben. (Indiz für das zunehmend intime Verhältnis der beiden Heldinnen ist übrigens auch die Tatsache, dass wir uns nach Gabbys tragisch endender Heirat und Xenas kurzem Flirt mit Odysseus mehr oder weniger von Männergeschichten verabschieden können. Sorry, liebe Leser, aber es ist besser so!)

Insgesamt ist der Ton der zweiten Staffel (wie bereits der ersten) ein lockerer, witziger. Die Stunde der weltbewegenden Abenteuer hat noch nicht geschlagen, vorläufig haben wir es in erster Linie mit Menschen (guten und bösen) zu tun und nicht mit Göttern, Ungeheuern und Weltbeherrschern wie in den künftigen Staffeln. Und ich muss sagen: Diese Bescheidenheit in der Themenwahl hat durchaus ihr Gutes.
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