von B.M. Strebel

Xena Episodenführer: Einführung

(I) Prolog: Der Werdegang der Heldin


Xena, so habe ich auf einer der unzähligen Webseiten zu diesem Thema gelesen, sei ursprünglich nichts weiter gewesen, als ein Charakter für die Actionserie Herkules. Irgendein besonders origineller Kopf kam offenbar auf die brillante Idee, Herkules könnte neben all den männlichen Kriegsherren, denen er Woche für Woche den Garaus machte, auch einmal eine weibliche Gegenspielerin gebrauchen, um die Eintönigkeit der Sendung etwas aufzulockern. Gesagt, getan, geboren ward Xena — die Kriegerprinzessin. Typischerweise besiegte Herkules die schöne, aber blutrünstige Gegnerin nicht nur im Kampf mit den Fäusten (oder Schwertern oder was auch immer), sondern gewann auch ihre Liebe und Zuneigung, so dass es ihm gelang, sie zum Guten zu bekehren. Die Figur der Xena gefiel dem Publikum anscheinend so gut, dass sich die Produzenten von Herkules dazu entschlossen, eine eigene Serie ins Leben zu rufen.

Ich bin froh, dass ich die erwähnte Herkules-Folge nie gesehen habe. Ich hätte mir dann mit ziemlicher Sicherheit nie auch nur eine einzige Xena-Episode angeschaut. Zum Glück blieb mir dieses erbärmliche Vorspiel erspart, und ich landete direkt in der ersten richtigen Xena-Staffel und erst noch in der ersten Folge. Xenas "Bekehrung" lag schon hinter ihr und Herkules tat mir den Gefallen, in den folgenden 134 Folgen nur noch zwei Mal aufzutreten. Was Xenas Vorleben betrifft, wie wir es in den sechs Xena-Staffeln häppchenweise präsentiert bekommen, so ist Herkules nur eine von zahlreichen Affären unserer Heldin, wenn er auch für sich in Anspruch nehmen kann, der moralisch integerste aller Männer von Xena zu sein. (Im Allgemeinen hat Xena nämlich einen Hang zu bösen Jungs — soll heißen: hartem Sex —, den sie jedoch nach ihrer Bekehrung zum Guten standhaft unterdrückt.)

Wie auch immer diese unsägliche Herkules-Folge sich genau abgespielt hat (Ich will es gar nicht wissen, ehrlich!), die Geschichte unserer Heldin, wie sie in den Xena-Staffeln dargestellt wird, lautet folgendermassen: Xena stammt aus dem thrakischen Städtchen Amphipolis (Hinweis für alle penetranten Antikefanatiker: Das Kaff gibt es tatsächlich! Habe im Putzger nachgeschlagen!), wo die Mutter eine Taverne führt. Xenas Vater (man beachte die psychologischen Implikationen) hat die Familie verlassen, als Xena und ihre beiden Brüder noch klein waren, so dass Mama die Brut allein aufziehen muss. Mit den zu erwartenden Folgen: In Abwesenheit der starken väterlichen Hand lässt Mutter die Zügel schleifen, und aus Xena wird eine schwertschwingende Kämpferin anstatt eine brave, korbflechtende künftige Ehefrau. (Xenas Mama tut sich auch in der 100. Folge noch schwer mit der Tatsache, dass Xena keinen netten Ehemann an ihrer Seite hat und gibt ein Inserat auf, um ihr einen zu finden...) Das entscheidende Ereignis, das Xenas sorglose Jugend beendet und sie in die Arme dunkler Mächte treibt, ist der Überfall eines Kriegsherrn namens Cortese auf ihr Heimatdorf. Xena stachelt die Jugend von Amphipolis an, sich der Übermacht der Söldner von Cortese entgegen zu stellen, mit furchtbaren Konsequenzen: Die jungen Männer werden zuhauf nieder gemetzelt. Unter den Toten ist auch Xenas geliebter kleiner Bruder Lyceus. Xena überlebt, wird aber mit Schimpf und Schande aus dem Dorf gejagt.

Damit beginnt Xenas Karriere als Kriegsherrin. Über dieses dunkle Kapitel aus der Vergangenheit unserer Heldin erfahren wir nicht viel. Auf jeden Fall ist die Xena von damals eine ganz Böse, gefühllos, kalt, brutal. Getrieben von grenzenloser Machtgier wütet Xena wie eine Berserkerin, brennt Dörfer nieder, plündert Städte, ermordet unschuldige Menschen, etc. Die ganze Palette menschlicher Grausamkeiten und Bosheiten eben. Männer gibt es auch im Leben jener Kriegsherrin Xena, harte, böse Männer, versteht sich. Allen vorneweg Ares, der Kriegsgott und grenzenlose Bewunderer unserer Heldin, der mit ihr an seiner Seite die Welt beherrschen möchte. Cäsar lässt sich von ihr verführen und betrügt sie hinterher schändlich, was ihm ihren unauslöschlichen Hass einträgt. Und dann gibt es da noch Borias, den Vater ihres Sohnes Solan, der, ermüdet vom anstrengenden Kriegerdasein, mit ihr und ihrem gemeinsamen Kind zusammen ein neues, friedliches Leben anfangen möchte. Ohne Erfolg. Borias wird von einem seiner Untergebenen hinterhältig ermordet. Die Mutterschaft jedoch weckt in unserer Heldin lange vergessene Gefühle und ist der Anfang vom Ende ihres Lebens als grausame Kriegsherrin.

Soviel zu den Grundzügen von Xenas Vorleben. Selbstverständlich erleben wir im Laufe der Serie noch die eine oder andere Überraschung, doch dem wollen wir an dieser Stelle nicht vorgreifen, sondern uns stattdessen der Wiedergeburt der Heldin aus dem Geist der Liebe zuwenden.


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