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DykesVision / TV-Serien / Verbotene Liebe / Kommentar |
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von Ivanova Verbotene LesbenKommentarErika und Nina eroberten recht schnell die Herzen vieler VL-Junkies, was sicher weniger an der Originalität der Geschichte (vgl. 10 Regeln) als am Charme der beiden Darstellerinnen lag. Natürlich waren ganz besonders die lesbischen Zuschauerinnen angetan. Aber E+N schnitten z.B. auch bei Beliebtheitswahlen allgemeiner VL-Fansites gut ab. An der Frage, ob die zwei die romantischen Gefühle füreinander glaubwürdig spielten, schieden sich zwar die Geister. Doch der gute Wille, besonders von Raphaela Dell, von der übrigens die Idee einer lesbischen Affäre Erikas stammt, zählte. Beide machten die Erfahrung, daß es in dieser Gesellschaft eben (noch) nicht dasselbe in grün ist, wenn eine Serienfigur eine lesbische Beziehung eingeht. So sahen sie sich z.B. mit ratsuchenden Briefen von Junglesben in einem Ausmaß konfrontiert, das sicher über die normalen Realitätsverlust-Zeugnisse von medizinischen Fragen an Fernsehärzte hinausging (und die Darstellerinnen natürlich komplett überforderte). Gleichzeitig gab es auch negative Reaktionen. |
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Er war in mehrerlei Hinsicht aufschlußreich. So beschrieb Dell lustige Reaktionen ihres Umfelds darauf, daß sie nun eine Lesbe spielte. Vor allem aber erklärte sie, daß das Ende von E+N bereits beschlossene Sache war und wieso sie die angeblichen Beweggründe dafür (z.B., daß das Publikum "keinen lesbischen Alltag sehen" wolle) nicht nachvollziehen konnte. Uns ging es genauso. Es gab eine Protestaktion mit Mails, Briefen, einer eigenen Protestseite sowie einem Boykott der Folge vom 27.12. (Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine übers Web gesteuerte Kampagne, denn zwischen den Jahren waren erheblich weniger Leute online als sonst.) Eurogay und Queer berichteten. Die spärlichen Reaktionen seitens der Verantwortlichen waren bezeichnend: So wurde z.B. auf Briefe besorgter Mütter verwiesen, deren Töchter ihrer Meinung nach durch E & N akut vom Homo-Virus bedroht wurden. Ich denke, man unterschätzt(e) die Zielgruppe. Gewiß würde die Darstellung einer glaubwürdigen Lesbenbeziehung, die über längere Zeit hält, auch Kritik hervorrufen. Wenn ihnen mal wieder die Muffe vor der angeblichen Moral Majority geht, sollten sie sich vielleicht einen Satz des (heterosexuellen) Machers von BTVS, Joss Whedon, vor Augen halten. Seine Antwort auf die homophoben Proteste war: "...and the bigotry. But [...] one post from a gay or questioning teen saying the show helped them is worth six hundred hate letters." Daß die Proteste am Ende von E+N und dem damit verbundenen Weggang von Dell nichts mehr ändern konnte, war von vornherein klar. Selbst bei urplötzlich auftretender Hell- und Einsichtigkeit aller Verantwortlichen (mit der wohl niemand ernsthaft rechnete): Die Drehbücher waren bereits geschrieben, Verträge beendet bzw. neue geschlossen - dies alles rückgängig zu machen, hätte sicher den finanziellen Rahmen gesprengt. E+N wurden also endgültig getrennt. Gleichzeitig installierte man als Ersatz Tom und Ulli, ein männliches Homo-Pärchen - mit einer Storyline, die ein ganz klein wenig bekannt anmutete: Lediger Schwuler verliebt sich in einen bisher-immer-nur-Hetero, der eigentlich in einer intakten Beziehung lebt. Dieser will "nur Freundschaft", wehrt sich gegen aufkeimende Gefühle, wird dann doch schwach, verfolgt einen konsequenten Schlingerkurs etc., bis er sich schließlich für den Mann entscheidet. (Wie die Verantwortlichen zu der Annahme kommen, das Publikum wolle keinen lesbischen Alltag, dafür aber immer wieder dieselbe Umpolungsstory mit wechselnder Besetzung sehen, wird auf ewig ihr Geheimnis bleiben.) Im Unterschied zu E+N gab man den beiden Jungs recht erotische Szenen sowie über längere Zeit etwas wie einen Beziehungsalltag ohne allzu schnelle Vercousinierung. Als Erika dann mit einer angemessen dramatischen Abschiedsszene schließlich nach London und damit aus der Verbotenen Welt verschwand, herrschte sogar an den Lästerboards allgemeine Betroffenheit. Ganz umsonst war der Wirbel trotzdem nicht. Ich bin der festen Überzeugung, daß ohne ihn Nina keine weitere Frauenbeziehung "bekommen" hätte, sondern, obwohl als Lesbe eingeführt, heterosexualisiert worden wäre. (Schließlich wechselten auch Erika und Ulli ihre sexuelle Orientierung ziemlich plötzlich.) Und anfangs schien auch alles recht vielversprechend: Da verliebten sich (scheinbar) doch tatsächlich zwei Singles ineinander, die auch noch beide sowieso schon lesbisch waren! Doch die Nina & Jule-Story enttäuschte auf ganzer Linie. Die Figur der Jule war glatt und langweilig, die Romanze wurde lieblos und innerhalb von Tagen abgespult - und nie war's im No Limits so duster wie beim ersten Kuß der beiden... Überdies legte man lange Zeit mehr Betonung auf die Perspektive des unglücklich in Nina verliebten Mannes (Simon) als auf die der beiden Frauen. Auch wenn dies zeitweise eine gewisse Komik erreichte. Als die Simon-Kiste abgefrühstückt war, führte man gar einen sehr unvermuteten Noch-Gatten Jules ein. (Soviel zum Thema "Singles".) Die meisten Komplikationen drehten sich also um Männer: Ninas übertriebene Reaktionen auf Simons Gefühle für sie (die eigentlich nur damit plausibel zu erklären gewesen wären, daß sie doch etwas für ihn empfand - diese Wendung hat man uns jedoch erspart). Dann der angetraute Etienne, mit dem Jule erneut liebäugelte. Ein Trauerspiel von Anfang an: die Zärtlichkeiten zwischen den angeblich Verliebten - sie erreichten bestenfalls das Niveau sehr entfernter Cousinen. Ansonsten jagte eine Krise die nächste, so daß sicher die meisten Zuschauer erleichtert waren, als das Herumgezicke endlich irgendwann beendet wurde (Trennungsgrund: Nina hänge noch zu sehr an Erika, um sich auf eine neue Beziehung einzulassen.) Dies alles spiegelt sich übrigens sehr schön in den Bildern auf der offiziellen VL-Homepage wieder: Es gibt viele von Jule und Simon. Von Nina und Simon. Von Jule und Etienne. Von Nina und Mutter Ryan. Nur vom eigentlichen - immerhin monaterlang liierten - "Liebespaar": Fehlanzeige, nur ein einziges! Und daß mittlerweile Jule die Männer neu entdeckt hat - herrje, das hat wohl niemanden ernsthaft überrascht...Soviel zum Thema "Lesben". Hier wurde erneut die Chance verschenkt, eine interessante Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen zu erzählen - davon, eine über längere Zeit funktionierende Beziehung zu zeigen, ganz zu schweigen. Setzen, sechs! Diskutiert und spoilert über VL im Forum. |
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