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von Ivanova

Herzliche Cousinen

Verbotene Liebe, die Zweite:
Nina & Jule 2

Hier sollte ein Fähnchen flattern


Von Menschen und Frauen

Etwa eine Woche später erschien Jule mit einem Picknickkorb im No Limits und traf dort nicht Nina, sondern Simon an. Sie erzählte, daß sie Nina zu einem Ausflug einladen wolle, und beklagte: "Am Anfang war sie total nett zu mir, aber jetzt hab' ich das Gefühl, sie weicht mir aus." Als Nina kam, lud sie sie zusammen mit Simon ein. Sie fanden eine schöne Wiese. Zwei aufgekratzte Frauen und ein muffeliger Mixer spielten Frisbee, doch Nina wurde per Handy in die Kneipe zurückgerufen. Die Wasserleitungen. Simon heuchelte: "Wirklich schade!" Die Kneipenwirtin verabschiedete sich mit den obligatorischen Küßchen, welche sie Simon dagegen verweigerte, weil er "ein Mann" sei (offenbar ein ernsthafter Charakterfehler). Als sie weg war, tröstete Simon Jule halbherzig, die ihm entgegnete: "Du bist ja auch nicht in sie verliebt!"

Abends zog es Jule erneut zur Mutter aller Kneipen, genauer gesagt, zu deren Besitzerin. Die hatte diesmal mehr Zeit. Sie versicherte, daß sie zu gerne zum Picknick geblieben wäre. Jule schlug vor, es ein andermal nachzuholen. Beim Prosecco unterhielten sie sich über Jules Job. Nina wollte wissen, ob er ihr Spaß mache. - "Ja, man lernt viele nette Menschen kennen." - "Und...Frauen?" - "Die trifft man eher woanders...Du hast schöne Augen!" Dieses originelle Kompliment erwiderte Nina mit einem pfiffigen "du auch", woraufhin sie sich küßten.

Jule und Simon in der Mutter aller Kneipen

Am nächsten Morgen saß Simon an der Theke des No Limits und beschwerte sich bei Chris: "Ich hab' Jule echt gern, aber sie muß sich nicht gerade Nina angeln..." Chris' Einwand, er selbst hätte doch so oder so keine Chance bei der lesbischen Tresenkraft, wischte er mit einem großspurigen "Abwarten!" beiseite. Just in diesem Moment schwebte Jule herein, die ganz offensichtlich in der Pension übernachtet hatte, und säuselte: "Einen wunderschönen guten Morgen!" Es sei doch ein toller Tag. "Ich könnte die ganze Welt umarmen, ich bin total verliebt! Wir hatten eine wunderbare Nacht zusammen!"

Jule schwärmte weiter, wie "witzig und süß" Nina doch sei, und bestellte zwei Kaffee für "Nina und mich oben". Irgendwann fiel ihr Simons Einsilbigkeit aber doch auf, und sie wollte wissen, warum er sich gar nicht über ihr neues Glück zu freuen scheine. Der Cocktailmixer versicherte, das Gegenteil sei der Fall.

Nachdem Jule mit dem Kaffee wieder in Richtung charmante Tresenkraft entschwunden war, legte sich Chris mit Simon an. Nina tauchte auf und erkundigte sich, was los sei. Simon schob Chris' schlechte Laune vor und wechselte das Thema. Sie begann zögerlich, ihm die Sache mit Jule beizubringen, doch er winkte ab: "Sie ist vorhin hier 'reingetaumelt und hat ihr Glück in der ganzen Kneipe verkündet!" Nina sorgte sich offenbar um sein zartes männliches Ego, doch er behauptete, es mache ihm nichts aus, er freue sich für sie, und sie beide paßten sehr gut zusammen. Nur solle sie Jule nicht verraten, daß er einmal mehr von der Kneipenwirtin gewollt habe: "Wir sind gute Freunde, und alles andere ist längst abgehakt."

Jule nahte picknickkorbbewehrt, um Nina zum Nachhol-Termin abzuholen, und mußte doch tatsächlich ihren Begrüßungskuß einfordern, da Nina Simons wegen befangen war. Die Frauen brachen auf, und Simon wünschte sich: "Na, hoffentlich regnet's!"

Weil aber Petrus weniger kindisch und bekanntlich sowieso eine Tunte ist (das wissen wir von Georg Uecker), hatten die beiden keinerlei wetterbedingte Probleme. An ihrem Ausflugsort fütterten sie sich gegenseitig mit Erdbeeren, wenn sie sich nicht gerade küßten, und Jule bemerkte, wie unwirklich ihr alles vorkomme: eine neue Stadt, ein neuer Job und Nina. Nur eine Wohnung fehle ihr noch. Nina versprach, ihr bei der Suche zu helfen. (Warum eigentlich kriecht Jule nicht in der Mutter aller Pensionen unter, die über ein schier unerschöpfliches Reservoir an Zimmern verfügt?)

Jule vermutete, daß Simon ihr Outing als Lesbe offenbar zu schaffen mache. Nina widersprach: "Ich glaube, es ist viel komplizierter, als du denkst..." Auf Jules Nachfrage hin wich sie aus, meinte, daß doch im Grunde alles ganz einfach sei, und sie beschäftigten sich endlich wieder mit Wichtigem, nämlich einander.

In Rekordzeit - kaum eine Woche später - war die Vercousinierung bereits abgeschlossen. Nina und Jule tauschten neben herzlichen Umarmungen nur noch spitzmündige Küßchen aus, begleitet von seelenvollen Seufzern, die nicht wirklich für Leidenschaft entschädigten. Vielleicht lag es an der Tatsache, daß sie dieses Stadium einer Beziehung so früh erreicht hatten, was normalerweise Jahre dauert. Jedenfalls verfiel Jule auf die kühne Idee, eine gemeinsame Wohnung zu suchen. Dieses selbst für VL ungewöhnliche Tempo überrumpelte Nina, die halbherzig zusagte. Simon merkte süffisant an, das mit dem gemeinsamen Nestbau gehe ja ziemlich flott. Nina widersprach: "Wir wollen zusammen wohnen und nicht heiraten!"

Daraufhin hielt Simon es für eine "richtig gute Schocktherapie", den beiden bei der Wohnungssuche zu helfen. Marks Bedenken tat er ab: "Was mich nicht umbringt..." - "...macht dich nicht hart, sondern doof!" (Body, den ich nicht zufällig nicht The Brain nenne, hat manchmal seine lichten Momente.) Nichtsdestotrotz tat der Mixer umgehend ein passendes Domizil auf, was Jule so begeisterte, daß sie eine Dreier-WG mit ihm zusammen anregte. Darüber war ihre Freundin zunächst erleichtert.

Simon bat sich Bedenkzeit aus. "Wegen mir?" wollte die Kneipeninhaberin wissen. Er behauptete, das sei doch "längst abgefrühstückt". Sie selbst scheine aber von der Sache auch nicht gerade begeistert. Sie erklärte, nach dem Desaster mit Erika sei es ihr sehr schlecht gegangen. "Ich hab' einfach keine Lust auf zuviel Nähe."

Jule sah das mit dem Heiraten offenbar anders als ihre neue LAG. Als sie gar von einem gemeinsamen neuen Bett in "unserem Schlafzimmer" schwärmte, redete Nina endlich Klartext. Sie sei noch nicht so weit, mit Jule zusammenzuziehen. Sie habe einfach Angst, daß es genauso schiefginge wie mit Erika, versicherte aber: "Ich mag dich trotzdem!" (Mehr nicht?) Die enttäuschte Jule entschloß sich, die Wohnung mit Simon zu teilen, was Nina für eine gute Nachricht hielt.


Zickenalarm

Die patente Wirtin packte beim Umzug fleißig mit an und versprach ihrer Liebsten häufige Besuche: "Du wirst froh sein, wenn du mal 'ne Nacht für dich hast!" Am nächsten Morgen wollten die beiden gemütlich zu zweit frühstücken. Jules Anmerkung, Simon möge sein Ei genauso wie Nina, schockierte diese verständlicherweise enorm. Als der Mixer unerwartet früh auftauchte, hielt sie es für nötig, ihre bloßen Schultern züchtig mit einem Morgenmantel zu bedecken.

Kurz, eigentlich hatte Simon gar kein Problem mehr mit der Situation, während das Verhalten der Kneipeninhaberin immer schräger wurde und, als sie sich unter vier Augen wähnten, schließlich in einem Ausbruch gipfelte: "Du hättest gar nicht einziehen sollen! Den ganzen Tag tust du so, als wäre alles o.k.!" (Wahrlich, welch schreckliches Vergehen...) Jule hatte das Zimmer unbemerkt betreten und forderte: "Den ganzen Tag zickt ihr hier rum! Und jetzt will ich endlich wissen warum!" Nina verabschiedete sich umgehend ("Bis später, Schatz") und überließ Simon das REDEN. Der erklärte, er habe mal was von ihr, Nina, gewollt, bevor sie, Jule, aufgetaucht sei, und sie, Nina, bilde sich nur ein, das gelte immer noch.

Nina nervt Simon

Wen konnte es nach Ninas Irritationen verwundern, daß nun Jule austickte? Sie beschwerte sich bei ihr, wenn sie das gewußt hätte, wäre sie niemals mit Simon zusammengezogen. Auf der Einweihungsparty hielt die Hobbypsychologin es dann auch noch für wichtiger, des Mixers tatsächliche Gefühlslage zu explorieren, als sich um ihre Freundin zu kümmern. Die eifersüchtige Jule schickte ihn Cocktails verteilen und bildete sich ein, er sei Ninas wegen "total mit den Nerven runter". Dabei tröstete er eigentlich nur einen Kumpel, der, da ebenfalls zickig, ähnlich kindische Probleme mit seinem Lover hatte.

Am nächsten Morgen saßen die beiden Frauen am Frühstückstisch, als Simon sich dazugesellte - samt weiblichem Mitbringsel von letzter Nacht. Nina war nun beruhigt, Jule nicht - ahnte sie doch, daß es nichts Ernstes sei. Als sich herausstellte, daß sie damit recht hatte, verstieg sie sich zu dem Vorwurf, sein ONS sei "nur ein Täuschungsmanöver" gewesen. "Du bist immer noch in Nina verknallt!" Simon stöhnte: "Das ist ja alles nicht auszuhalten!"

Eine gute Woche später hatten sich alle drei Zicken wieder eingekriegt. Nina und Simon frühstückten in der WG, wo sie laut eigener Aussage fast schon Dauergast sei. Der Mixer meinte, Jule habe doch akzeptiert, daß sie eine "ganz lockere Beziehung" wolle. Er verstand allerdings nicht, warum sie überhaupt noch in der Pension wohne. Nina erklärte, wenn sie dort ausziehe, hätte sie "das Gefühl, meinen Zufluchtsort zu verlieren". Jule, die den letzten Teil des Gesprächs umbemerkt mitangehört hatte, kam hinzu und erklärte, sie würde gerne mit Nina verreisen - am liebsten sogar auf eine einsame Insel. "Nur wir beide!" - "Und Schwärme von Moskitos", so der prosaische Kommentar der sonst so reiselustigen Kneipenwirtin.

Das Bett ist hinüber

Später beschwerte sich Jule bei Simon, daß ihre Freundin nicht gerade erpicht darauf sei, mit ihr zu verreisen. "Ich hab' das Gefühl, daß sie bei allem sofort dichtmacht, was nach Nähe aussieht." Doch es ergab sich erstaunlich rasch eine noch erstaunlichere Wendung. Das Paar wollte sich im Pensionszimmer um einen akuten Notfall Jules (Spliss!) kümmern. Nina warf sich schwungvoll aufs Bett - und es brach umgehend zusammen. Dies deutete die Tresenkraft spontan als "Wink des Schicksals", ihre Probleme mit Nähe und Distanz erst mal über Bord zu werfen und in die WG zu ziehen.

Doch kaum hatte sie ihre Zelte dort aufgeschlagen, zogen neue Wolken am Beziehungshimmel auf. Gestreßt von Caro von Anstetten sowie der Organisation eines Konzerts in der Kneipe, verwechselte Nina ihre Freundin mit einem Fußabtreter. Auf ihre Fragen, was los sei, reagierte sie äußerst unwirsch. Schließlich platzte Jule der Kragen: "Seitdem du hier eingezogen bist, bist du völlig gereizt!" - "Kein Wunder, wenn du den Morgen mit einer Grundsatzdiskussion anfängst!" Darauf hatte Jule endgültig die Nase voll. "Ich versuche, etwas für unsere Beziehung zu tun. Aber das ist dir ja wohl völlig egal!" Damit verließ sie türeknallend die Wohnung.


Etienne

Nachdem Jule ihrerseits ihr Herz bei Body ausgeschüttet hatte, kam es schließlich zur Versöhnung. Nina entschuldigte sich und führte Streß als Grund für ihren Ausraster an. Sie kochte sogar ein Versöhnungsessen, das allerdings nur in Farbe und Konsistenz überzeugen konnte. Dies nahmen sie zum Anlaß, mal wieder ins Grüne zu fahren, zum Picknick und Austausch fast leidenschaftlicher Zärtlichkeiten. So viel Harmonie über mehrere Stunden? Nein. Bei ihrer Rückkehr in die Wohnung wartete bereits die nächste Krise - in der Gestalt eines jungen Mannes, der sich Nina mit den Worten vorstellte: "Ich bin Etienne, Jules Ehemann!"


Hier sollte ein Fähnchen flattern

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