Alles auf Zucker
Sugar Rush: Kim & Sugar
von LeMeep
In Kürze: Kim ist 15, verzweifelt und verliebt in Sugar. Ihre Mutter definiert "treu" neu, ihr Vater ist ahnunglos aber besorgt. Alles ganz normal also.
Ein Amüsierbetrieb wie auf einem Rummelplatz: zwei junge Mädchen sitzen in einer sich drehenden Gondel und genießen die Fahrt. Sie tauschen ein paar zweideutige Blicke, bevor sich die aufgebrezelte von beiden schließlich vorbeugt und sie sich küssen.
Wie sich herausstellt, ist das aber nur die Fantasie von Kim (einem der beiden Mädchen von vorher), die eine elektrische Zahnbürste unter der Bettdecke zweckentfremdet und dabei prompt von ihrem Vater erwischt wird, der ihr liebevoll mitteilt: "Davon wirst du blind." Kim zuckt die Schultern und denkt sich, dass sich in Brighton, der schäbigsten Stadt Englands, wohl niemand darum kümmern dürfte, wenn eine 15-jährige masturbiert.
So ganz eingelebt hat sich die Familie in Brighton allerdings noch nicht – kein Wunder, ist sie doch erst vor einer Woche hierher gezogen. Familie heißt in diesem Fall: Vater Nathan, von Kim beschrieben als "halb Mann, halb Hausfrau". Mutter Stella, die bitte auch so genannt werden möchte, weil sie nur sehr selten daran erinnert werden möchte, dass sie Kinder hat. Bruder Matt, der mit seinen 8 Jahren schon so ausgeflippt ist, dass man sich wundert, wie das erst werden soll, wenn er erwachsen ist. Momentan trägt er eine gigantische Goldfischkugel als Astronautenhelmersatz über dem Kopf und baut kleine Mondlandschaften aus Kartoffelpüree. Um das seltsame Ensemble in der Küche komplett zu machen, befinden sich auch das schwule Pärchen Dave und David am Tisch, die einem erfolglos handwerkenden Nathan einen guten Handwerker namens Dale empfehlen.
Das alles mitgeteilt hat uns die Ich-Erzählerin von "Sugar Rush" namens Kim, die sich im Augenblick ausschließlich über ihre Obsession für ihre Freundin Maria Sweet, genannt Sugar, definiert. Und Sugar ist eine Obsession wert: aufreizend angetan in einer sehr offenherzigen Variation ihrer Schuluniform mit ultrakurzem Röckchen, noch dazu mit wallender Männe und Tonnen von Make-up, schafft es Sugar spielend in die Top Ten eines jeden männlichen Wesens. Das weiß sie auch gebührend auszunutzen, denn wie Kim uns erzählt, ist Sugar kein Kind von Traurigkeit. Und außerdem nicht lesbisch – im Gegensatz zu Kim, die es nicht sein möchte wenn das heißt, in unerreichbare Frauen verknallt zu sein.
Kim findet, dass in ihrer Beziehung zu Sugar irgendwie der Wurm steckt. Schließlich war das Kennenlernen auch nicht gerade optimal: Sugar klaute etwas in einem Laden und schob die Sachen Kim unter, die zufällig in der Gegend stand und prompt von einem säuerlichen Wachmann abgeführt wurde. Verzweifelt überlegt sich Kim, den Kontakt mit Sugar abzubrechen – oder, wenn das nicht klappt, wenigstens damit aufzuhören, ihr ständig auf den Busen zu starren.
Das scheint auch Sugar zu denken, denn als sie später gemeinsam am Pier stehen, verlangt sie von Kim, "es nicht ganz so offensichtlich" zu machen. Ertappt bekommt Kim große Augen, doch auf was sich ihre Freundin bezog, war nur die Tatsache, dass sie für ihren Geschmack "zu jungfräulich" rumläuft. Also macht Sugar einfach Kims Bluse auf und weitet den Ausschnitt beträchtlich, was ihr besser zu gefallen scheint.
Kim fühlt sich unangenehm daran erinnert, dass sie noch nie mit jemanden geschlafen hat und überlegt sich, ob sie es nicht mal versuchen sollte, nur um sicher zu gehen, dass es ihr nicht doch möglicherweise gefällt. Aber der Versuch, mit dem männlichen Geschlecht Kontakt aufzunehmen, fällt nicht sehr positiv aus, so dass Kim unweigerlich wieder bei Sugar landet. Noch dazu bei einer halbnackten Sugar, die sich vor den gleichzeitig peinlich berührten und begierigen Augen ihrer Freundin umzieht. Während Sugar sich in noch engere Kleidung zwängt, teilt Kim ihr ihren Plan mit, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Klitzekleines Problem allerdings: Kim hat noch keinen blassen Schimmer, wer der glückliche sein wird.
Die Qual der Wahl wird ihr abgenommen, als sie bei sich zuhause über einen leichtbekleideten Handwerker stolpert, der bereits begehrlich von Stella und einer Hälfte des schwulen Pärchens beim Arbeiten beobachtet wird. Von soviel Testosteron sprachlos geworden, rettet sich Kim in ihr Zimmer und ruft sofort Sugar an, um ihr von Delicious Dale zu erzählen. Hilfreich wie immer bietet ihre erfahrenere Freundin an, Kim bei ihrer Entjungferung zu helfen – aber nur in Form von guten Tipps, leider.
Zur Durchführung dieses Planes befiehlt sie einer entsetzen Kim, sich auszuziehen, die der Aufforderung auch zögerlich nachkommt. In Unterwäsche und sich sichtlich unwohl fühlend ist Kim einer spöttischen Sugar vollkommen ausgeliefert. "Weißt du, was dir fehlt?", fragt Sugar amüsiert. "Spitzenunterwäsche?" rät Kim nach einem Blick auf ihr eher schlichtes Oberteil. Das auch, doch erst mal tut es reichlich Alkohol. Mit einigen Promille im Blut versucht Kim also ähnlich ausstaffiert wie Sugar auf 10cm hohen Absätzen zu gehen und scheitert kläglich.
Als Sugar es ihr zeigen will, landen sie kichernd auf dem Bett, und das ältere Mädchen hält es für eine gute Idee, die ganze Sache etwas praktischer anzugehen. "Tu so, als wäre ich er", ordnet sie an und sitzt wenig später auf Kim drauf, die bald nicht mehr weiß, wie sie mit den einladenden Blicken umgehen soll. "Ich gehe besser", presst sie unter Sugar hervor und begibt sich immer noch aufgetakelt auf den Heimweg. Der erweist sich als sehr steinig einmal wegen der Stöckelschuhe und einmal wegen der Assoziationen, die vor Kims Augen auftauchen: Sugar in aller Glorie vertreibt jegliche Gedanken daran, mit Delicious Dale (DD) zu schlafen.
Es kam ihr sowieso jemand zuvor: verdächtige Geräusche locken Kim in die Küche, in der sie ihre Mutter zusammen mit DD in einer mehr als eindeutigen Situation auf dem Küchentisch erlebt. Geschockt flieht Kim wieder zur Tür hinaus, eine halbnackte Stella auf ihren Fersen. "Wie konntest du nur?!", fragt Kim tränenerstickt als ihre Mutter sie eingeholt hat. "Niemand ist perfekt", antwortet Stella und erblickt sogleich ihre Tochter nur noch von hinten, denn sie läuft einfach weiter.
Beim gemeinsamen Abendessen lobt Nathan DDs Arbeit über alle Maßen: "Wenn er hier fertig ist, kann er in der Diele weitermachen." Angewidert zucken Kims Mundwinkel als sie diese Formulierung mit etwas ganz anderem verbindet, und die Familienspezialität "Toad in the hole", die verdächtig phallus-ähnliche Formen hat, treibt sie endgültig ins Badezimmer. Verwirrt ruft Nathan seiner Tochter nach, doch Stella beruhigt ihn, dass Kim eben ein Teenager sei.
Der Teenager macht sich Vorwürfe, weil sie es nicht über sich bringen konnte, ihrem Vater die Wahrheit zu sagen und überlegt gerade, Sugar anzurufen als es an der Tür klingelt. In der festen Überzeugung, ihre Angebetete sei gekommen, eilt Kim zur Haustür, reißt sie auf – und unterdrückt mühsam ein Augenrollen, denn davor steht nur Tom, ihr Nachbarssohn und ebenfalls, sehr zu ihrem Mißfallen, ihr nagelneuer Verfolger.
Kim bittet ihn trotz Bedenken herein und so enden sie in ihrem Zimmer. Tom sitzt am einen Ende des Bettes, während eine versteinerte Kim miterlebt, wie er sich erst über Che Guevara auslässt, um dann einen Guerilla-Kuss zu starten. Sie läßt die Attacke ohne Reaktion über sich ergehen und starrt ihn auch weiterhin nur an, als er "Ich bin nicht schwul!" stammelnd hastig den Raum verläßt. Er sperrt sich erstmal im Badezimmer ein und überprüft seinen Atem, nicht zu seinem Gefallen. Auf der Suche nach Zahnpasta um diesen Zustand zu ändern leert er das Badregal, fischt sich aus dem resultierenden Chaos wahllos eine Tube und fängt an, sich wie wild die Zähne zu schrubben – mit Enthaarungscreme.
Davon bekommt Kim nichts mehr mit, weil sie ihren hilflosen Verehrer sich selbst bzw. dem Wasserhahn überlässt und statt dessen zu Sugar rennt. Aber der Abend verläuft nicht wie erhofft: ihre Freundin beschäftigt sich lieber mit Spielautomaten als mit den Problemen Kims, so dass diese darauf angewiesen ist, sich mit dem Anblick eines tiefen Dekolletees zufrieden zu geben. Sugars erweiterte Problemlösung besteht darin, Kim einen "Eselsritt" zu empfehlen. Mißtrauisch folgt Kim ihrer Freundin und wird kurz darauf einem maulfaulen Typen namens Donkey (Esel) vorgestellt. Sugar vergnügt sich mit ihrem Freund, d. h. sie knutscht ihn in aller Öffentlichkeit nieder, und Kim ist alles andere als begeistert vom Vorschlag für ihre weitere Abendplanung. Reiten ist heute nicht mehr angesagt.
Stella lässt sich skrupellos von ihrem Mann die Füße massieren und wäre eigentlich auch schon sehr glücklich nur damit, doch leider besteht Nathan darauf, währenddessen über Kim zu sprechen. Er findet, dass sie sich in letzter Zeit seltsam verhalten hat und macht das unter anderem daran fest, dass sie ihn nicht mehr "Dad" nennt. Stella hingegen sieht das locker und meint nur, dass man als 15-jährige nun mal seine Eltern hassen würde, das wäre normal. Nathan sieht bei dem Gedanken, dass seine Tochter ihn hassen könnte, sehr traurig aus.
Genau wie seine Tochter, bzw. ist die am Anfang sauer und dann traurig. Sie hält es einfach nicht mehr aus, neben Sugar und ihrem Freund zu sitzen und dabei zuzusehen, wie sich gegenseitig vernaschen und flüchtet auf die Toilette. Nach wer weiß wie lange kommt eine taumelnde Sugar auf die Idee, nach ihrer Freundin zu suchen: "Was ist los?" fragt sie leicht indigniert und beschließt, Kims Antwort "Nichts!" nicht zu glauben. Weil Kim die Kabine abgeschlossen hat, klettert ihre Freundin kurzerhand über die Wand der Nachbarkabine zu ihr. Dort angekommen, zündet sie sich erst mal eine Zigarette an und genehmigt sich einen großen Schluck Wodka. "Solltest du nicht bei deinem Freund sein?" möchte Kim eifersüchtig wissen. Sugar zuckt nur die Schultern und wundert sich, ob Kim immer noch wegen ihrer Mutter Trübsal blasen würde.
Um Kim etwas abzulenken, packt Sugar einen Filzstift aus und malt die Umrisse ihres Fußes an die Wand. Dann packt sie Kims Fuß und macht das gleiche. Sie setzt sich auf den Schoß ihrer Freundin und rät ihr, sich sinnlos zu betrinken und alles zu vergessen, dann würde es ihr besser gehen. An den ersten Teil ihres Rates hat sie sich schon gehalten, denn müde sinkt Sugars Kopf auf Kims Schulter. Die streicht ihr sanft die Haare aus dem Nacken und beugt sich langsam, ganz langsam zu einer wie es scheint schlafenden Sugar herunter. Kurz bevor ihre Lippen sich berühren jedoch öffnet Sugar die Augen und gibt zu, dass sie von Sex doch nicht soviel Ahnung hat wie sie vorher behauptete: "Ich bin meistens so zu, dass ich mich an nichts erinnern kann." Das macht Kim aber nur noch schmerzhafter klar, dass Sugar nur an Männern interessiert ist, und so verlässt sie weinend den Club, um draußen vor der Tür ihren Tränen freien Lauf zu lassen. Warum nur sind alle Leute so verrückt nach Sex wenn er soviel zerstört?
Nathan kommt den hausfraulichen Pflichten nach als Kim heimkommt. Sie wirft einen Blick auf ihren schlafenden Bruder, der unter Tonnen von Plüschtieren mit seiner Astronautenkugel auf dem Kopf friedlich schlummert, beobachtet ihre Mutter beim telefonieren mit ihrem Liebhaber durch einen Türspalt und wirft sich auf ihr Bett. Ihr fürsorglicher Vater bringt ihr extra Abendessen aufs Zimmer und versucht stotternd, ihr etwas zu sagen. "Dad?" fragt Kim mit brüchiger Stimme, und glücklich darüber, dass sie den Kosenamen gebraucht hat, umarmt Nathan seine todunglückliche Tochter. Als er gegangen ist, besinnt sich Kim auf die guten Seiten des Lebens - und da gibt es ja noch die elektrische Zahnbürste...
Fortsetzung folgt!