von Ivanova
Frauen im Frisiersalon
Lindenstraße, zum Vierten:
Tanja & Suzanne
~ 12: Heimlich, still und lesbisch ~
(996: Schlechte Karten)
In Kürze: Suzanne verleugnet die Beziehung zu Tanja nach außen hin, was ihre Freundin zunehmend verletzt. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Hans Beimer kommt es zum Eklat...
Was in der Zwischenzeit geschah: Unsere Heldinnen glänzten weiterhin durch Abwesenheit. Lediglich Tanja ward einmal gesehen, als sie zusammen mit Urszula und Lotti für den "lebenden Adventskalender" ein launiges Weihnachtsgedicht von Loriot zum Besten gab.
I. Drinnen

Am Morgen des zweiten Januar 2005 bringt Suzanne ihrer Liebsten das Frühstück ans Bett, komplett mit roter Rose. Tanja räkelt sich genüsslich in den Laken und bedauert, dass am nächsten Tag wieder der Alltag einkehre, mit zu viel Arbeit und zu wenig Zeit füreinander. "Du musst deinem Chef sagen, dass du jetzt 'ne Freundin hast und immer pünktlich Feierabend haben musst!" fordert sie scherzhaft. Suzanne erklärt, ganz ohne Überstunden werde es wohl nicht gehen, zumal sie nächste Woche die erste Fassung des Buchs bekomme und "die Autorin" (sollte nicht Tanja die Autorin sein?) treffen werde.

Hocherfreut kündigt Tanja an, sie zu dem Treffen begleiten zu wollen. Von deutlichem Unbehagen erfasst, versucht Suzanne, sie davon wieder abzubringen, und als das nicht gelingt, sie durch das Füttern mit Marmeladenbaguette abzulenken. "Du willst sicher nicht, dass ich im Verlag auftauche? Wegen der Kollegen?" schließt Tanja messerscharf. "Ach Quatsch!" behauptet die Lektorin. Doch Tanja fährt unbeirrt fort: "Glaubst du denn wirklich, die kriegen gleich'n Herzinfarkt, wenn sie sehen, dass du jetzt mit 'ner Frau zusammen bist? Mal angenommen, wir lassen sie's merken."

Als Suzannes schwache Ausflüchte sie nicht weiter bringen, tropft versehentlich Marmelade auf Tanjas Unterarm, was die Lektorin inspiriert: Sie schleckt sie genüsslich ab ("Mhm - lecker!") und nutzt die Gelegenheit, sich küssenderweise über den Arm bis zu Tanjas Mund hochzuarbeiten. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Es macht beiden Spaß, und das ihr unliebsame Thema ist erst mal vom Tisch.

Während Tanja sich im Bad fertig macht, massiert Suzanne ihr liebevoll den Nacken, was schnell in Zärtlichkeiten mündet, doch sie werden von der Türklingel unterbrochen. Suzanne geht öffnen. Es ist Hans Beimer, der ihr ein "wunderschönes neues Jahr" wünscht. "Äh, das ist ja nett!" stammelt Suzanne und bittet ihn nach erheblichem Zögern herein. Auf dem Weg zum Wohnzimmer beseitigt sie unauffällig alle Hinweise auf Tanjas Anwesenheit. Hans lädt seine alte Freundin und neue Nachbarin zum Abendessen ein, da seine ursprünglichen Gäste erkrankt sind.

Zu Suzannes Leidwesen kommt Tanja doch hinzu und begrüßt Hans freundlich. Verlegen bezeichnet Suzanne sie als "'ne gute Freundin von mir". "Ähm, wir arbeiten zusammen an einem Projekt...sozusagen... Tanja und ich, an - einem Mädchenbuch..." Tanja blickt verletzt zu Boden. "Ja, wunderbar, dann kommt doch beide heute Abend, ihr seid herzlich eingeladen!" ruft Hans enthusiastisch aus. Tanja freut sich zunächst darüber, doch als sie bemerkt, wie unangenehm Suzanne diese Ausweitung der Einladung ist, wirft sie ihr fragende Blicke zu. Suzanne wendet sich ab.

Nachdem Hans wieder gegangen ist, findet Suzanne Tanja in der Küche bei passiv-aggressivem Geschirrabtrocknen vor und versucht unschuldig, Konversation über Hans' Ehekrise zu machen, was allerdings sehr einseitig bleibt. Schließlich erkundigt sie sich: "Was is'n los? Keine Lust auf das Essen heute Abend?" und küsst ihre Liebste auf die Wange. - "Als was darf ich denn gehen?" kontert Tanja sarkastisch. "Als Freundin oder als Kollegin?"
"Ach, Tanja ..." - "Was, 'ach, Tanja'?! Wieso darf der nich' wissen, dass wir zusammen sind? Wenn die Türen zu sind, ist alles toll zwischen uns - wenn's auch wirklich keiner sieht! Aber sobald jemand dazukommt, drückst du'n Knopf und wechselst das Programm!" - "Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen..." meint Suzanne zerknirscht. "Das mit der Freundin... das war wie'n Reflex. Schließlich ist das alles doch noch ganz neu für mich."
"Darauf nehm' ich ja auch Rücksicht. Auf der Straße - keine Berührung, kein Abschiedskuss, und wenn, dann höchstens mal auf die Wange. Aber in meinem Bekanntenkreis - das geht mir echt zu weit! Hans Beimer ist ein Freund von dir!" Und sie selbst kenne ihn schon ewig. "Der hat doch nichts gegen Lesben!" Suzanne versichert ihr, sie werde sich bemühen. Es sei nur noch nicht der richtige Moment gewesen. "Vertrau' mir! Ich krieg' das hin, ganz sicher." Sie küssen einander versöhnlich.
Zurück in der WG findet Tanja eine glänzend gelaunte Urszula vor, die frisch aus dem Urlaub zurück ist und von Brenners Geschenken (edle Kleidung und Schmuck) schwärmt. Neidvoll beobachtet sie, wie Brenner und Urszula ganz selbstverständlich vor ihr flüchtige Zärtlichkeiten austauschen. Als die beiden Freundinnen wieder alleine sind, will Urszula wissen, warum Tanja nicht bei ihrer Liebsten sei. "Wieso, wir seh'n uns doch heute Abend..." Das sei keine Antwort, findet die Polin. "Sanne muss was für die Arbeit vorbereiten, und... ich... ach, ich weiß auch nicht." - "Jetzt erzähl' schon."
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