Punk-Sängerin demnächst
in der Lindenstraße

(WDR-Zeitung,
entdeckt von  Krtek)

Nach der Sonderausstellung im Haus der Geschichte in Bonn (siehe Artikel auf Seite 3) ist den Lindenstraßen-Machern auf dem Produktionsgelände am Freimersdorfer Weg ein besonderer Coup gelungen. Wie das Pressebüro der GFF mitteilte, wird die weltweit bekannte Rocklady Nina Hagen in der auch nach 15 Jahren überaus erfolgreichen Dauerserie LINDENSTRASSE mitwirken. Laut Drehbuch wird Nina Hagen als Jaqueline Evers im ehemaligen Frisiersalon einen Esoterik-Shop eröffnen. Jaqueline Evers wird sich unsterblich in Tanja Dressler-Schildknecht (Sybille Waury) verlieben. Die Verpflichtung Nina Hagens ist die Folge der zunehmenden Konkurrenz durch attraktive Sendungen zur Sendezeit der LINDENSTRASSE.

H.W. Geißendörfer: "Um uns weiterhin erfolgreich am Markt behaupten zu können, müssen wir auf aktuelle Strömungen eingehen. Nur dadurch können wir den seit Jahren konstanten Zuschauer-Marktanteil verteidigen und ausbauen. Nina Hagen war schon immer eine rigorose Kämpferin ihrer Ansichten, die sich weitgehend mit der Philosophie der LINDENSTRASSE decken. Die Fans der Serie fordern immer wieder die Rückkehr der Serienfigur des "Zorro". Leider stand uns Thorsten Nindel wegen anderweitiger terminlicher Verpflichtungen nicht zur Verfügung. Daher wird Nina Hagen als Jaqueline Evers die Stelle des "Zorro" einnehmen und einen markanten Farbtupfer in der Serie bilden."

Durch die romantische Liebe zwischen Jaqueline und Tanja tritt Geißendörfer dem Vorwurf entgegen, er hätte bisher das klischeehafte Bild der Killerlesbe gezeigt. Nina Hagen wird schon im Dezember in Kurzauftritten in der LINDENSTRASSE zu sehen sein. Im März des kommenden Jahres wird sie dann dauerhaft in Deutschlands bekannteste Straße einziehen. In der nächsten Ausgabe folgt ein ausführliches Interview mit dem neuen Ensemble-Mitglied.

 

GEHEIM! Der offizielle
Rückblick auf Folge 799

Arbeitstitel:  " Verspätungen", Autor:
Irene Friedmann, gefunden von Ivanova

Tanjas leidenschaftliche Affäre mit der kreglen Spiritualistin Jacqueline löst bei Urszula ein ihr unerklärliches Unbehagen aus. Als sie morgens versehentlich ins Bad platzt, wo Tanja und Jacqueline fröhlich in der Badewanne planschen, muß die tschechische Friseur-Meisterin sich eingestehen, daß Tanja für sie mehr geworden ist als eine gute Freundin. (Im Radio läuft der Oldie "I Can See Clearly Now".) Vor lauter Verwirrung kommt Urszula zu spät in den Salon und muß sich Utes abfällige Bemerkungen gefallen lassen.

Frust im Frisiersalon: Tanja ist im Gegensatz zu ihrer Chefin auch bei der Arbeit ausgezeichneter Laune und summt die Radiohits "Girls Just Wanna Have Fun" sowie "I Smell Sex And Candy" mit. In der Mittagspause fragt sie Urszula, was mit ihr los ist. Urszula starrt zur Antwort schweigend vor sich hin. Das Salonradio spielt "Why Does It Always Rain On Me".

Doch als am Abend Jacqueline ein geplantes Date absagt, sind die Freundinnen allein. Bei einem Glas Sekt versucht Urszula, die Wahrheit zu gestehen. Tanja versteht sie falsch und versichert ihr, wie wichtig ihr nach wie vor die Freundschaft mit der aparten Tschechin wäre. Vor dem flackernden Kaminfeuer wird Urszula von ihren Gefühlen überwältigt und küßt sie auf den Mund. Doch Tanja reagiert anders als erhofft...

Cliffhanger: Tanja stößt Urszula weg und fragt erbost: "Was soll das denn, spinnst du?!" Urszula ist bestürzt. Ist es wirklich zu spät für die Liebe im Frisiersalon?

 

Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es danach mehrere Szenen geben, in denen Urszula abends deprimiert allein am Küchentisch in ihren Rotwein heult, während Tanja und Jacqueline sich irgendwo vergnügen. (Hintergrundmusik: "If I Could Turn Back The Hands Of Time" bzw. "Bitter Sweet Symphony".)

Tanja wird als zweite Leadsängerin bei Jacquelines Frauenband "Voice of Venus" einsteigen, und sie proben fleißig für ihren Auftritt bei der CSD-Feier 2001 im Akropolis. (Der Christopher Street Day erinnert an die Aufstände von Heteros und Schwulen gegen lesbische Polizeiwillkür 1965 in Chicago.)

Bei diesem Fest macht Jacqueline ihr einen Heiratsantrag. Sie will damit auch für die Homo-Ehe demonstrieren. Tanja fragt Carsten um Rat, der vor den Trümmern seiner privaten Existenz steht. Dieser findet, sie solle ihrem Herzen folgen, alles andere gehe sowieso schief. Während ein schwullesbischer Chor "I Say A Little Prayer" anstimmt, fühlt Tanja sich unverhofft vor die schwere Entscheidung gestellt, wen sie wirklich liebt...

P.S.: Falls es in der Schildknecht-Wohnung keinen Kamin gibt, ist es Kerzenlicht, weil wegen eines Gewitters der Strom ausfiel.

(Erstmals erschienen am 04.08.2000 im Spoiler-Forum.)

 

F o l g e  7 9 7

AT:  " Irrungen und Wirrungen, zugespielt von heimlichen L.P.B.F. - SympathisantInnen in Bocklemünd

Morgens ist Urszula als erste im Salon. Als sie sieht, wie Tanja und Jacqueline sich draußen mit einem langen Kuß verabschieden, wendet sie sich eifersüchtig ab und schüttelt – verwundert über sich selbst - den Kopf. Tanja tritt strahlend ein und wünscht überschwenglich einen "wunderschönen guten Morgen". Urszula weicht ihrem Blick aus.

In der Mittagspause stürmt eine wild entschlossene Polin ins Akropolis. (Im Radio laufen gerade die letzten Takte von Stand By Your Man, dann beginnt Latin Lover von Gianna Nanini.) Paolo, der hinter der Theke steht, fragt eilfertig: "Urszulina! Was ist passiert, kann ich etwas für dich tun?" Sie geht um den Tresen herum, beginnt, ihn verführerisch zu streicheln, und fordert: "Ja. Schlaf mit mir. Jetzt sofort!" - "I-ich, aber, äh, das geht doch jetzt nicht...Urszulina, ich muß arbeiten..." Sie packt ihn am Kragen und küßt ihn, wobei sie den noch schwach "wie wäre es mit heute abend" Murmelnden in die Vorratskammer bugsiert. "Du willst es doch auch, mein schöner Italiener..."

Etwas später sitzt sie im leeren Lokal und starrt frustriert vor sich hin (Musik: Bob Marley, No Woman, No Cry), während Paolo tröstend auf sie einredet. "Aber liebste Urszulina, mach' dir doch keine Vorwürfe! Das passiert jeder Frau einmal, der Streß und überhaupt...Das macht doch nichts. Wir haben alle Zeit der Welt! Ich kann warten..." Sie schüttelt entnervt seine Hand ab: "Nein, du verstehst überhaupt nichts!" Sie erhebt sich. "Paolo, es tut mir leid, ich habe einen Fehler gemacht." Er ist völlig schockiert: "Aber Gung sagt, Konfuze sagt, Liebe ist-" - "Ich weiß, ich weiß!" Urszula schüttelt ungeduldig den Kopf. "Es hat nichts mit dir zu tun." Ab. (Des Kellners verständnisloses Gesicht in Großaufnahme.)

Am Abend ist Urszula in der Küche beim Bügeln. Sie sieht deprimiert aus. (Musik: Shadowland von k.d. lang.) Aus Tanjas Zimmer hört man diese und Jacqueline kichern. Urszula wirft ärgerlich ein Handtuch in die Ecke. Da fällt ihr Tanjas weiße Bluse in die Hände. (Musik: Kiss Me, The Corrs.) Sie schaut sie versonnen lächelnd an, und es fällt der transsylvanischen Friseurin wie Schuppen aus den Haaren...Sie schrickt auf, als Tanja und die muntere Spiritualistin einfallen, nicht ohne Zärtlichkeiten auszutauschen - Tanja nennt die meist schwarzgewandete Jacqueline liebevoll "kleiner Vampir" - und sich gegenseitig mit Häppchen zu füttern.

Es klingelt: Carsten und Käthe wollen die Frauen abholen und auf die Piste gehen. (Musik: Bring Me Some Water von Melissa Etheridge.) Die vier lachen, als Käthe einen Hetenwitz erzählt. Urszula schleudert Tanja unvermittelt die Bluse entgegen und fährt sie an: "Weißt du, ich habe Schnauze voll, daß ich deine Wäsche auch noch bügeln muß!" Käthe beteuert, er habe doch nicht sie gemeint. "Ja, wir sind doch tolerant!" kichert Carsten. Erneutes Gelächter. Urszula schaut sprachlos von einem zur anderen, dann verschwindet sie empört in ihr Zimmer und schlägt die Tür zu. Die Verbleibenden starren ihr verdutzt hinterher und dann einander an. Jacqueline zuckt die Schultern: "PMS?"


w e i t e r