Frauen im Frisiersalon
Lindenstraße, zum Zweiten:
Tanja & Urszula
~ Trauerarbeit ~
Eines Morgens sitzt Urszula grübelnd in der Küche und läßt Rosis Gerede von der Macht der Sterne ergeben über sich ergehen. Was das Radio spielt, hilft auch nicht sonderlich: "Man muß das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist..." Urszula zieht sich in ihr Zimmer zurück. Rosi erzählt Gung, daß sie schon seit Tagen wie ein Gespenst aussehe und kaum etwas esse. Später weint Urszula, und ihre Tochter will wissen, was los sei, wird aber nur in die Schule geschickt. Gung gibt im Salon Bescheid, daß Urszula später komme.
Im Frisiersalon vertröstet die Azubi eine Kundin, als die Chefin endlich erscheint. Aus dem Radio ertönen Nenas Kindertotenlieder. Tanja bemerkt, wie schlecht es Urszula geht, und kümmert sich liebevoll um sie. In der Mittagspause erscheint Paolo, um ihr ein Geschenk zu geben, doch Tanja wimmelt ihn ab. Urszula ist erleichtert, als er geht. Da keine weiteren Termine angesetzt sind, will sie weggehen und fragt, ob Tanja sie vielleicht begleiten möchte.
Ihr Weg führt sie zum Friedhof. Am Grab von Paola, die vor genau einem Jahr ums Leben kam, spricht Urszula über ihre Trauer. Tanja meint, es müsse furchtbar sein, ein Kind zu verlieren. Sie selbst habe mit Sonia auch einen geliebten Menschen verloren. Urszula erklärt, in ihr sei "eine große Leere", eine offene Wunde. Sie habe nichts mehr zum Festhalten. Sie betrachtet ein Armkettchen, das sie damals Paula noch hatte schenken wollen. Tanja will wissen, ob sie denn jemanden hätte, mit dem sie reden könne. Urszula verneint. "Früher war es Beate, aber das ist schon lange vorbei." Tanja schlägt ihr vor, Paola das Kettchen posthum zu schenken. Die beiden legen die Kette aufs Grab. Paolo, der unbemerkt hinzugetreten ist, spricht sie an. Er wolle die Trauer mit Urszula teilen. Sie weist ihn zurück.
Es dämmert bereits, als Tanja und Urszula aus dem Bus steigen und Arm in Arm die Lindenstraße entlanggehen. Vor Ludwigs Haus bedauert Tanja, daß sie immer noch mit einem Mann zusammenwohnen müsse, den sie nicht liebt, während Urszula beklagt, daß die Wohnung, die sie gerne hätte, jemand anders bekommen hat (Tja, wenn man auch nur in einer Straße sucht...). Die beiden verabschieden sich herzlich.
Spät abends klingelt es bei Urszula. Es ist Paolo mit einem Strauß roter Rosen. Er hält der völlig Verdutzten die Hochzeitsbrosche seiner Großmutter unter die Nase und bittet sie, ihm zu verzeihen und ihm noch eine Chance zu geben.
Auch noch sieben Tage danach sucht Paolo Urszula im Friseursalon heim, die ihm aber klarmacht, daß sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle. Sie hasse ihn nicht mehr, aber sie würden nie mehr zusammenkommen. Er drängt sie, die Brosche trotzdem anzunehmen, was sie schließlich tut, um ihn loszuwerden.
~ Doktorspiele ~
Am Morgen des Ostersonntags (anderthalb Wochen später) kommt Tanja im Morgenmantel aus dem Bad und geht ins Wohnzimmer, wo eine üppige Ostertafel gedeckt ist. Sie versucht Urszula anzurufen, erwischt aber nur Rosi. Ob Rosi Urszula bitten könne, etwas früher zu kommen? So bliebe Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, bevor sie dann wie geplant zum Starnberger See fahren würden.
Als Urszula eintrifft, begrüßen sich die beiden herzlich. Tanja ist stark geschminkt und zeigt reichlich Dekolleté. Sie erzählt, daß das Osteressen von Ludwig und Frank fast unberührt zurückgelassen worden sei, und rät Urszula, sich ruhig zu stärken, damit sie den Radweg nach Starnberg auch schaffe. "Aber zuerst mußt du was Kleines, Rundes suchen!"
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Nach dem Essen süffeln sie Schampus. Tanja erinnert sich an die Sonntage mit ihrer Familie, als sie noch Tennis spielte. "Damals schien alles noch in Ordnung." Urszula erzählt von den lustigen Sonntagen in Polen. Auch wenn die Kirche immer so furchtbar lang sei, man wäre ja streng katholisch. Tanja muß dabei an ein Lied denken. Sie legt Aretha Franklins "I Say A Little Prayer" auf. (Später laufen noch die zwei Franklin-Hits "I Never Loved A Man" und "Sisters Are Doing It For Themselves", und ein ganzer Schwarm Nachtigallen trappst unüberhörbar...)
Urszula kennt das Lied und zeigt mehr Interesse an einem Buch über Kristalle, das sie im Regal entdeckt hat. Sie möge Steine. Tanja dagegen findet, Steine seien irgendwie tot. "Wie Lu halt." Die Musik dagegen sei schön und lebendig. Tanja, ebenfalls sehr lebendig, schnappt sich Urszula, um mit ihr zu tanzen. Da es schon zu spät für den geplanten Ausflug ist, beschließen sie, sich in der Wohnung einen schönen Nachmittag zu machen (und dem WDR die Kosten für den Außendreh zu sparen).
Die Zeit ist weiter fortgeschritten, der Alkoholkonsum auch. Tanja und Urszula tanzen und singen zu polnischer Volksmusik und haben ziemlich einen im Tee. Tanja nutzt häufige Gelegenheiten zu unauffälligem Körperkontakt. Als aufgrund nachlassender Feinmotorik ein Glas zu Bruch geht und Urszula sich in den Finger schneidet, lotst Tanja sie in Dresslers Praxis, um sie zu "verarzten". Dort stolpern sie umher und teilweise auch versehentlich übereinander und hören sich gegenseitig die Herztöne ab. Tanja fragt nur halb im Scherz: "Für wen schlägt dein Herz?" Die Antwort: "Für die Liebe, die hoffentlich bald wieder Einzug hält." Urszula hebt einen Arm des Praxis-Skeletts an und will wissen: "Ist das ein Mann oder eine Frau?" Tanja entgegnet kryptisch: "Wer weiß?"
Irgendwie muß es den beiden aber doch gelungen
sein, sich von den lustigen Doktorspielen
loszureißen, denn sie haben wieder in die Wohnung
zurückgefunden. Dort sitzen sie auf dem Boden,
vertilgen die Ostereier, die Urszula vor mehreren Stunden
und Promille gefunden hat, und erinnern sich an lange
vergangene Osterfeste. Während es bei Tanja oft Streit
gab, war Urszula stets sehr glücklich. Oft habe sie
sich wie eine Prinzessin gefühlt, die drei
Wünsche frei hätte. Aber sie hätte sich
damals die Wünsche für später aufgehoben.
Tanja fragt, was sie sich denn heute wünschen
würde.
- "So schöne Tage wie heute."
Schließlich ist Urszula in Tanjas Schoß eingeschlafen. Diese weiß nicht wohin mit ihren Händen, streichelt sanft Urszulas Gesicht - und küßt sie auf den Mund. Die Polin reagiert irgendwie anders als erwartet. Sie öffnet die Augen und fragt ungläubig: "Was soll das?!"
