von Gwyn
Ein Herz für Lesben
Hinter Gittern:
Sascha & Kerstin
Hinführung
Ist unsere Gattung grundsätzlich kriminell
veranlagt oder haben Trash-Fans einfach nur ein Herz
für Lesben? Zumindest scheint es ansonsten keine
rationalen Gründe dafür zu geben, dass
ausgerechnet zur besten Sendezeit eine wöchentliche
Gefängnisserie mit schmerzlich wahrnehmbaren
Daily-Soap-Symptomen gegen den Strom der restlichen
Fernsehlandschaft anschwimmt und lesbische Plots am
Fließband produziert. So befinden wir uns derzeit
also in der x-ten lesbischen Story. Für die
Rekapitulierung der unzähligen vorangegangenen
Lovestorys ist allerdings etwas Eigeninitiative gefordert:
Ersetzt im Folgenden kurzerhand die Namen der
Protagonistinnen durch irgendwelche x-beliebigen. Bitte
beachtet dabei, dass Männernamen nie verkehrt sind -
das allzu deutliche Aufbrechen von bekannten
Beziehungsmustern könnte ansonsten zu einem
lebensbedrohlichen Kollabieren des zart besaiteten
heterosexuellen Zuschauers führen - und ganz
nebenbei erhöht dies quotenbewusst das
Identifikationspotential für den männlichen
heterosexuellen Zuschauer.
Beginnen wir also mit der ersten Hälfte des
künftigen, zeitlich befristeten Traumpaares: Sascha
(Mörderin, Lesbe) - nicht zu verwechseln mit Walter
(Mörderin, Lesbe). Es mag viele erstaunen, aber HG
erlaubt sich derzeit tatsächlich den Luxus, zwei sich
ihrer Veranlagung bewussten Lesben gleichzeitig den
Knastalltag anzutun. Zur großen Erleichterung des
verwirrten Fernsehzuschauers unterscheiden sich die beiden
Frauen allerdings in anderen Belangen deutlich; Sascha ist
nämlich eine Intellektuelle, wie uns gleich zu
Beginn ihrer Reutlitz-Odyssee auf subtile Art und Weise
durch ihre Dauerpräsenz in der Knastbib nahe gelegt
wird. Auch die Tatsache, dass Sascha ihr Gesicht
ständig hinter einem Buch versteckt, scheint wohl
nicht wie anfangs zu vermuten ein
Folgeschaden des unter Lesben grassierenden Closet-Syndroms
zu sein. Sascha studiert sogar
Literaturwissenschaft?
Germanistik? Auf jeden Fall scheint sie ein Faible für
deutsche Dichter zu haben, wie wir im Verlaufe der
Story noch feststellen müss dürfen.
Im Vorfeld der schicksalhaften Begegnung von Sascha und
Kerstin (habt ihr auch gerade das Bild von zwei Frauen im
Kopf, deren Blicke sich in Slow Motion treffen und sich
unter schmalzig-schönen Klängen nicht mehr
voneinander losreißen können? *räusper*
zurück zum Thema)
also es kam zunächst zu
einem kleinen Geplänkel mit Walter, die sich aus
für die Zuschauerin nicht nachvollziehbaren
Gründen in Sascha verknallte (ein Hauch von
Mysteriösem hat einer Serie ja noch nie
geschadet). Aber STOPP - hier läuft eindeutig
was falsch: eine Lesbe, die mit einer anderen Lesbe
herumturtelt??? Völlig undenkbar
wo kämen
wir denn da hin, wenn sich neuerdings in Fernsehserien
Lesben untereinander vergnügen dürften? Nein, wir
Lesben haben eine Mission, und die heißt
Bekehrung der sexuell Frustrier
heterosexuellen Frauen. Aber wie so häufig ist
der Weg einer Pseudohete zur Erleuchtung ein
mühseliger und so kam es, dass der restliche Teil
unseres Traumpaares, Militärärztin Kerstin
(Unschuldslamm, Hete) völlig grundlos in die
Fänge der Justiz geriet. Ausgerechnet ein Mord wurde
der pflichtbewussten Killerkommandoärztin
angehängt; und das, obwohl Kerstin außerhalb der
Dienstzeiten keiner Fliege etwas zuleide tun könnte.
Diese maßlose Ungerechtigkeit ist es dann auch,
welche Kerstin aus ihrem glücklichen, erfolgreichen,
heterosexuellen Leben herausriss und völlig unerwartet
in Saschas Einflusssphären katapultierte.
Eure Meinung zu Hinter Gittern? Ins Forum.