von Gwyn
Ein Herz für Lesben
Hinter Gittern:
Sascha & Kerstin
Zufälle
Boyfriend Michael störte sich derweil an der Tatsache, dass Kerstin sich im Gefängnis zunehmend wohl zu fühlen schien. Dies veranlasste ihn urplötzlich, seine Bemühungen um die Freilassung seiner Partnerin zu intensivieren. Kerstin war daran allerdings gar nicht mehr besonders interessiert und beauftragte stattdessen ihren Liebsten, ein Buch mitzubringen, dessen Lieferung Sascha zuvor von der Gefängnisleitung verweigert wurde. Dank dieser ruckartigen Zaunpfahlbewegungen der AutorInnen wissen wir nun: die prekäre Phase der Hetenkonvertierung ist eingeleitet. Die AutorInnen überlegten kurz, welches Schema sie anzuwenden gedenken, und entschieden sich spontan für das einzig verfügbare in der Soap-Schublade.
So kam es, wie es kommen musste: An einem lauschigen Abend in einer Knastzelle irgendwo in Reutlitz betrachtete das längste Beinahe-Paar seit Soap-Gedenken, private Photos, die Michael für Kerstin geschmuggelt hatte. Zufällig berührten sich die Arme der beiden Frauen bei der Betrachtung der Bilder, zufällig fanden sie eine versteckte Flasche Schnaps in der Zelle und zufällig lockerte sich die Atmosphäre infolgedessen sichtlich auf. Kerstin begann, Sascha ihr Beziehungsleid mit Michael zu klagen. Sascha fuhr Kerstin zärtlich mit der Hand über das Gesicht. Kerstin legte daraufhin ihren Kopf auf Saschas Schulter und während die beiden überlegten, wo sie hin fahren würden, wenn sie in Freiheit wären, kam es urplötzlich zu einem Kuss. Kerstin wollte danach sehr rasch alleine sein - zufälligerweise.
Am darauffolgenden Tag wollte Sascha an der Stelle weitermachen, an welcher der Abend zuvor abrupt endete, und teilte Kerstin aus diesem Grunde mit: "Wir müssen reden." Kerstin wollte aber lieber vergessen. Sascha gefiel der Kuss allerdings zu gut. Kerstin erwiderte konsterniert, dass sie im nüchternen Zustand generell keine Frauen küssen würde. Sascha verließ sich fälschlicherweise auf ihren Charme und meinte, dass sie es dafür aber sehr gut können würde. Kerstin erkannte erstmals der Lesbe böser, sexueller Absicht und unterstellte Sascha, sie zum Zwecke einer Verführung betrunken gemacht zu haben. Kerstin fiel zwar auf einmal das Wort "lesbisch" nicht mehr ein, manifestierte aber lautstark, dass sie dies nicht wäre. Sascha zischte - ihre urlesbische Vorbestimmung als Hetenfängerin verfluchend - beleidigt ab.
Bei der nächsten Begegnung mit Michael überreichte dieser seiner Freundin das Buch für Sascha. Kerstin fiel zum Dank über ihn her - weil sie ihn total vermisst hätte. Michael war etwas perplex, konnte sich seiner liebestollen Freundin aber dann doch nicht erwehren. Die lesbische Fernsehzuschauerin gähnt derweil gelangweilt und setzt auf ihrer Liste von pseudohetischen Standardritualen ebenfalls ein Häkchen neben "leidenschaftlicher heterosexueller Abschiedssex".
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z u r ü c k | Fortsetzung folgt!