von Gwyn
Ein Herz für Lesben
Hinter Gittern:
Sascha & Kerstin
Anderthalb Tote
Eine euphorische Kerstin konnte es sich in den folgenden Szenen nicht verkneifen, Sascha überaus taktlos, ihre baldig erhoffte Freilassung unter die Nase zu reiben, bis aus heiterem Himmel ein Unheil versprechender Anruf die einseitige Idylle zerstörte. Eine zufällig in Reichweite lesende Sascha verfolgte Kerstins Telefongespräch aus dem Augenwinkel. Doch anstatt sich ihrer Möchtegern-Flamme anzuvertrauen, suchte Kerstin nach ihrem abrupten Absturz aus himmlischen Sphären das Weite, sorry, die Zelle auf. Sascha dackelte zwar besorgt hinterher, doch ein strategisch klug platzierter Einschluss nötigte Sascha, ihre psychologischen Aufbauversuche lauthals von Zellenfenster zu Zellenfenster zu vollziehen - anstatt in dem erhofften Tête-à-tête. Zellen- und Artgenossin Walter ließ es sich dabei nicht nehmen, auf der Aussichtslosigkeit von Saschas Avancen herumzureiten. Dies fand bei Sascha allerdings wenig Gehör - war sie doch voll ausgelastet mit dem Anflehen der Angebeteten, sich ihr im indiskreten Rahmen anzuvertrauen. Kerstin antwortete mit dem Schließen ihres Fensters und anschließendem Weinen im stillen Kämmerlein.
Anwalt und Lebensgefährte Michael brütete derweil über seinem Meisterplan, dessen Umsetzung sicherlich jeden Anwalt in die Katakomben seiner Karriere gestürzt hätten: Kerstin sollte sich für schuldig erklären, um - auf mildernde Umstände hoffend - eventuell in ein paar Jahren wieder auf freiem Fuß zu sein. Kerstin war wenig angetan von Michaels Geistesblitz.
Vom wenig erbaulichen Gespräch mit Michael zurück, fing Sascha Kerstin im Hof ab, um endlich ihre Beste-Freundin-Funktion als Seelentrösterin einzufordern. Kerstin war aber gar nicht nach Sascha zumute. Die unermüdlich nervende Sascha erfuhr dann schließlich doch, die Ursache für Kerstins Kummer: deren einzige Entlastungszeugin kam bei einem Autounfall ums Leben.
Kerstin manifestierte, dass sie nie wieder aus dem Gefängnis raus käme; Sascha drückte ihr Mitleid aus und dachte an eine gemeinsam eingetragene Silberlebenspartnerschaft in der 1671sten Folge. Das Gedankenspiel wurde jäh durch Kerstins unmittelbar folgende Unterstellung unterbrochen, dass Spitzel Sascha sicherlich Daddy-Beschützerin Eva Baal über die Geist gewordene Zeugin informiert hätte. Saschas gegensätzliche Beteuerungen fanden wenig Gehör, da Kerstin es vorzog, der weiteren Konversation fern zu bleiben.
Kerstin legte sich anschließend bei einer zufälligen Begegnung in der Knastkantine mit Eva Baal an, der sie den Mord an ihrer Entlastungszeugin unterstellte. Sascha beobachtete nicht lesend. Kerstin redete (und schlug) sich, trotz (oder wegen) Saschas Bemühungen sie zu besänftigen, derart in Rage, dass der gemäßigte Zuschauer ernsthaft gedachte, Kerstins Mörderinpotential neu einzuschätzen. Die Konsequenz für Kerstins Aussetzer war - alter Tradition folgend - eine sofortige Isolationshaft.
Sascha schaute freundlicherweise am selben Tag bei der Isolierten vorbei, um ihr das Essen zu bringen. Ihre Trostversuche prallten an einer völlig depressiven Kerstin ab. Saschas Hinweis an Eva Baal, dass Kerstin stark suizidgefährdet wäre, veranlasste diese nach anfänglicher Skepsis zu einem zusätzlichen Kontrollbesuch bei Kerstin, welche sich in der Zwischenzeit die Pulsadern aufgeschnitten hatte - anhand eines Plastikbechers.
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