von Gwyn
Ein Herz für Lesben
Hinter Gittern:
Sascha & Kerstin
Heldinnenentweihung
Sascha konnte nur denkbar kurz ihre
Heldinnenkrönung feiern, denn der Gerechtigkeit wurde
natürlich keineswegs genüge getan - ein
mehrwöchiger unbemerkter Stromausfall kann im
öffentlichen Dienst schließlich in jedem
täglich frequentierten Raum vorkommen. Eva Baal kam
demnach völlig ungeschoren davon, und beschloss zudem
Sascha aus Rachegelüsten binnen 24 Stunden nach
Preekow (dem Alcatraz der deutschen Frauenknastwelt)
abzuschieben.
Was die HG-Zuschauer zu diesem Zeitpunkt schon längst
wussten, offenbarte Sascha in dieser schweren Stunde des
drohenden Abschieds nun endlich ihrer Angebeteten: Eva Baal
hatte Sascha einst aus den tiefsten Verliesen von
Alcat Preekow herausgeholt, um sie in Reutlitz als
Spitzel einzusetzen. Natürlich sind an dieser Stelle
nur sehr böswillige Fernsehzuschauer dazu verleitet,
den glorreichen Einfall der Autoren auf Saschas ostdeutsche
Herkunft zurück zu führen. Wie dem auch sei,
Saschas ursprüngliche Aufgabe in Reutlitz war es, die
Identität der Mörderin des ehemals
insassinnenzwangsbeglückenden Schließers
Jörg Baumann herauszufinden.
Die Abschiebungspläne lösten sich aber alsbald
in Luft auf, da Eva Baal sich urplötzlich von Saschas
Drohgebärden beeindruckt zeigte. Woraufhin Hendrik
Jansen, Saschas Intimfeind und Baumannnachfolger (sowohl
als Schließer, als auch als Insassinnenbegatter) sein
gratis angebotenes freikörperliches Rahmenprogramm
nutzte, um die zufällig in Erfahrung gebrachte, frohe
Kunde von Saschas Spitzeltätigkeit unter das
Gefangenenvolk zu bringen.
Dieses reagierte erwartungsgemäß empört.
Allein Kerstin stand Sascha tapfer, wenn auch wenig
behilflich, zur Seite. Nachdem Sascha knapp dem
Mordanschlag einer Hälfte des
Baumannkillerinnenkollektivs entgangen war, konnte die
Sache zum Glück in einem freundlichen Gespräch
zwischen Sascha und ihren Beinahemörderinnen bereinigt
werden. Da Sascha natürlich niemals auf die Idee
gekommen wäre, die Täterinnen zu verraten, durfte
sie sich nach diesem tragischen Intermezzo wieder
beschwingt ihrem urlesbischen Missionierungstrieb
widmen.
Lesbenakkumulation
Kerstins Lesbenmutation drohte jäh unterbrochen zu werden, als urplötzlich eine ominöse Zeugin behauptete, Kerstins Unschuld beweisen zu können. Kerstin, die sich demnach vor ihrem geistigen Auge bereits in freiheitlichen Gefilden halluzinierte, schreckte in diesem seligen Augenblick nicht einmal davor zurück, die HG-Zweitlesbe Sascha stürmisch zu umarmen. Die Primatlesbe Walter kam hinzu und diagnostizierte fachmännisch einen fortgeschrittenen hetenbewusstseinsveränderten Zustand.
Auf Walters Umpolungsunterstellung erfolgte eine
für Fernsehpseudoheten völlig atypische Reaktion:
sie vergaß, diese Unterstellung weit von sich zu
weisen, fasste die Lesbe am Arm und machte sich mit dieser
von dannen. Die Fernsehzuschauer stehen vor einem
Rätsel: Ist die Pseudohete etwa immer noch in einem
prälesbischen, unschuldigen Zustand und verkennt, wie
suspekt derartige Berührungen sind? Ist die Mutation
bereits ohne Verleugnungsphase völlig unbemerkt
geglückt? Oder handelt es sich gar um das
sagenumwobene Fernsehpseudohetenwesen ohne anfängliche
Lesbenberührungsphobie?
Lesbenkunde
Sascha treffen wir wenig später in der Wäscherei bei der Lektüre von Patricia Highsmiths Kriminalroman "Carol" an. Kerstin, die mittlerweile ein untrügliches Gespür für lesbische Momente entwickelt hatte, kam hinzu und zeigte sich überaus interessiert. Sascha nutzte die Gelegenheit, um Kerstin das lesbische Gedankengut als Bettlektüre unterzujubeln.
Kerstin fragte Sascha daraufhin völlig ungeniert über ihre amouröse Vergangenheit aus. Überaus stolz verkündete Sascha noch nie heterosexuellen Irrungen erlegen gewesen zu sein. Kerstin hielt allerdings eine ausgiebige empirische Studie des Objekts "Mann" für unerlässlich, um sich der fehlenden Anziehungskraft zu vergewissern. Die lesbische Fernsehzuschauerin ist angesichts dieser bahnbrechenden Erkenntnis völlig aus dem Häuschen: das Mysterium um die Motivation der sexuellen Eskapaden der Spezies "Pseudohetenwesen" scheint gelöst, der Nobelpreis für die gemeine lesbische Zuschauerin in unmittelbarer Reichweite.
Sascha - hiervon völlig ungerührt - fühlte sich in diesem Moment genötigt, Kerstin undezent darauf hinzuweisen, dass diese sich ja auch trotz lesbischer Abstinenz ihrer Heterosexualität sicher wäre. Kerstin erkannte natürlich prompt die Unsinnigkeit ihrer Aussage und schaute Sascha verträumt hinterher, als diese dem Bildschirm entschwand.
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