von Gwyn

Ein Herz für Lesben

Hinter Gittern:
Sascha & Kerstin



Reanimation der Schicksalsgöttin

Kaum hatten Kerstins Mitinsassinnen - die einen mehr, die anderen weniger - ihre Wandlung von Saula zu Paula vollzogen, erkor die scheinbar übelgelaunte Schicksalsgöttin ausgerechnet Eva Baal zu ihrem neuen Werkzeug aus. Kerstin wurde also von ihren Mithäftlingen abgesondert, selbst der Kontakt zu ihrem Anwalt blieb ihr verwehrt. Freundlicherweise ließ die Gefängnisleitung ausgerechnet Sascha der isolierten Kerstin einige Decken bringen, damit diese der Leidgeprüften zur Aufmunterung ein Buch dazwischen stecken konnte - selbstverständlich Heine. Sascha hinterließ natürlich ganz gentlewomanlike eine einfühlsame, trostspendende Widmung - auf die wir leider nicht näher eingehen können, da diese bei sämtlichen Testpersonen zu unerklärlichen Zahnschmerzen führte. Kerstin ist Zahnschmerzen wohl gewöhnt, sie freute sich total.

Die Freude währte allerdings nur kurz. Eva Baal wies Kerstin nämlich alsbald sehr eindringlich an, die privaten Ermittlungen gegen Daddy Baal einzustellen. Aber wie Tiefschlaflesben nun mal so sind (nämlich geradlinig, zielstrebig und furchtlos), weigerte Kerstin sich strikt. Diese Majestätsbeleidigung zwang die Repräsentantin für Recht und Ordnung zu einer Disziplinarstrafe – Zwangsjacke und Dunkelhaft schienen Eva Baal in diesem Fall durchaus angebracht. Kerstin geriet in ihrer Not etwas mit den Namen ihrer Liebsten durcheinander, so schrie sie in ihrer Verzweiflung nach Michael, anstatt nach Sascha. Zum Glück ahnte die Heldin aller Lesben dies nicht, so dass sie sich bei der Gefängnisleitung energisch für Kerstin einsetzte – natürlich vergeblich.

Zu Kerstins riesengroßem Glück erfanden die Autoren recht zügig einen nichtigen Grund, um Sascha in Hörweite von Kerstins Folterkammer zu befördern. Von dort vernahm diese auch prompt ein gequältes Husten. Als Kerstin weder auf Rufe noch auf Saschas Hämmern an der Zellentür reagierte, erbarmte sich schließlich eine Gefängniswärterin aufzuschließen. Die Herrin aller Schlüssel war natürlich völlig ahnungslos über das Gebaren ihrer Chefin (einige Zellen scheinen in Reutlitz wohl Hoheitsgebiet zu sein) und zeigte sich etwas erstaunt über die Dunkelheit - weniger allerdings über die völlig apathisch am Boden liegende Kerstin.


Sascha, eine Lesbe der Tat

Wäre Saschas Kämpferherz zu diesem Zeitpunkt nicht schon längst erobert gewesen, hätte dieser tragische Vorfall es sicherlich endgültig schachmatt gesetzt - denn was ist begehrlicher für eine Langzeitlesbe als ein blondes, hilfloses, vermeintlich heterosexuelles Geschöpf, das um Rettung fleht?

Ein zeitgleich stattfindendes Herbstfest mit Prominenz (ja, natürlich im Knast, was denkt ihr denn?) bot Sascha dann auch flugs die geeignete Plattform, an ihrem Heldinnenepos mit ihrer Wenigkeit in der Hauptrolle weiterzubasteln. Eine Podiumsdiskussion über die Resozialisierung von Straftätern funktionierte Sascha mal eben in eine ergreifende Martin-Luther-King-Rede um und beschuldigte zudem Eva Baal Gefangene in Dunkelhaft zu halten. Saschas Eloquenz war dermaßen beeindruckend, dass Kerstin prompt aus dem Bunker freigelassen wurde.

Die Mitinsassinnen feierten die neu geborene Knastlegende überschwänglich. Sascha selbst ließ es sich natürlich nicht nehmen der Angebeteten höchstpersönlich ihre Heldentat unter die Nase zu reiben. Kerstin fand diese total mutig und versprach ihr dies nie zu vergessen. Zur freundlichen Erwiderung grinste Sascha dämlich. Woraufhin die beiden sich leidenschaftlich küssten, dem düsteren Ort entschwanden und eng umschlungen der Sonne entgegen ritten.


THE END

*Rewind* Sorry, da war wohl der Wunsch Mutter meines Gedankens. Fahren wir also mit den tatsächlichen Begebenheiten fort.

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