DykesVision Home / Lesbenfilme / Wild Side |
Wild SideKritik von ImkeIn der Filmwelt werden lesbische Figuren in der Regel von heterosexuellen Schauspielerinnen verkörpert. Die wenigen Ausnahmen, in denen offen lebende lesbische Akteurinnen eine Frau vor der Kamera lieben (dürfen), sind bisher nur dadurch zustande gekommen, dass die Lesben sich quasi selbst besetzt haben, so z.B. geschehen in "Eine Frau für zwei", "Women Love Women" oder auch "Claire of the Moon". Die dritte Variante der Besetzung lesbischer Figuren im Film besteht in ihrer Verkörperung durch offiziell heterosexuelle Schauspielerinnen, die Jahre später aufdecken, sie seien zum Zeitpunkt des Drehens bereits mit einer Frau liiert gewesen. Zu dieser seltenen Spezies gehören z.B. Sophie Ward in "A Village Affair" oder Anne Heche in "Wild Side". Gerade der ansonsten eher uninteressante Film "Wild Side" erhält dadurch im Nachhinein eine unfreiwillige Komik, z.B. wenn Alex (Anne Heche) ihren besten Freund Lyle verunsichert fragt: "Findest Du, ich sehe aus, als ob ich solche Tendenzen hätte?"- Lyle: "Du??? Nein! Nein!" Oder als Alex den Ehemann ihrer Geliebten bewußt täuscht, indem sie ihn provokant fragt: "Heißt das - findest Du, ich sehe aus wie 'ne Lesbe?" - "Um Himmels Willen nein, natürlich nicht!"
Inzwischen ranken sich um "Wild Side" so einige Legenden, und die eigentliche Handlung ist sicher das Langweiligste am gesamten Film. Trotzdem zunächst ein paar Worte zum etwas verworrenen Inhalt: Alex Lee (Anne Heche) arbeitet erfolgreich als Angestellte der Long Beach Pacific Bank und lebt in einem wunderschönen Haus am Meer, welches ihr allerdings bald abhanden kommen wird, wenn sie nicht den Anweisungen ihres Chefs Folge leistet und mit ihren Kunden schläft, um an fette Großaufträge heranzukommen. "Ehe ich mich für die Bank prostituiere, tue ich das doch lieber für mich", beschließt Alex (besonders logisch geht es in dem Film nicht zu, das sei hier gleich gesagt) und verdient von nun an des Nachts heimlich als Callgirl "Johanna" das nötige Geld, um ihr Haus zu behalten. Einer ihrer nächtlichen Kunden ist Bruno Buckingham (Christopher Walker), der sich alsbald als größter Geldwäscher der Welt zu erkennen gibt ("Sagen wir, ich bin ein Gigant"). Bruno ist äußerst angetan von Alex' "Service", hegt aber den Verdacht, dass sie vielleicht eine FBI-Agentin sein könnte und hetzt daher seinen engsten Mitarbeiter Tony (Steven Bauer) auf sie, um ihre Identität zu überprüfen. Tony läßt sich die Überprüfung nicht nehmen, verfolgt Alex, vergewaltigt sie und zwingt sie, für ihn zu arbeiten, denn er selbst ist ein FBI-Agent. Bruno beauftragt Alex, eine neue Kundin in Empfang zu nehmen, die bei ihr ein Konto über 375.000 Dollar eröffnen wird. Bei der Kundin handelt es sich um Virginia Chow (Joan Chen), die, wie sich herausstellt, Brunos Ehefrau ist. Die schöne Virginia flirtet vom ersten Augenblick an mit Alex, die gar nicht weiß wie ihr geschieht. Schließlich verbarrikadieren sich die beiden in der Toilette für die leitenden Angestellten, um aufregenden Sex miteinander zu haben. Doch mehr als das, sie verlieben sich ineinander. Bruno verliebt sich ebenfalls in Alex und schlägt ihr vor, er würde sie protegieren und mit ihr durchbrennen, wenn sie bereit sei, einen weltweiten Computer-Virus in den PC ihrer Bank einzuschleusen, der ihn (und sie) um einige Millionen Dollar reicher machen würde. Der allseits gegenwärtige Tony verlangt dagegen, dass sie den Virus an das FBI ausliefert und Bruno für ihn in eine Falle lockt. Aber Alex will nur Virginia. Geschickt spielt sie Bruno und Tony gegeneinander aus und begibt sich mit Virginia nach China, um dort mit ihr eine neue Existenz aufzubauen... Die Resonanz auf "Wild Side" war sehr unterschiedlich, die Kritiken reichten von "langweiliger Soft-Porno" bis "außergewöhnlich, bizarr und aufwühlend". Ich neige entschieden zur ersten Position und frage mich, welchen Geschmack eine ZuschauerIn haben muss, um diesen Film zu mögen. Auf jeden Fall müsste sie auf ziemlich überdrehten "Sex and Crime" stehen (in manchen Passagen erinnert der Film an "Bound", allerdings auf weit geringerem Niveau), und außerdem dürfte sie keinen Wert auf differenziert angelegte Charaktere und Handlungen legen. Auch müsste sie gerne auf die Einbeziehung und Darstellung innerpsychischer Prozesse verzichten, und ihr müsste billig dargebotener Sex in diversen Variationen und Perversionen gefallen (Prostituierte befriedigt Freier, Mann vergewaltigt Frau, Frau liebt Frau, Mann vergewaltigt Mann etc.). Vielleicht ist die Zuschauerin ja doch eher ein Zuschauer... Zugute zu halten ist dem Film die Idee, zunächst jede der vier Hauptfiguren anders erscheinen zu lassen, als sie wirklich sind: Alex, die Bankangestellte im Designer-Look, mutiert zur intellektuellen Hure, erlebt ihr Coming-Out und erweist sich letztlich als gerissene Geliebte, die alle Beteiligten austrickst. Virginia, Ehefrau und "Strohmann" von Bruno, entpuppt sich als waschechte Lesbe, die nichts lieber möchte als mit Alex in ein anderes Land zu fliehen. Bruno, der Obergangster, hat tatsächlich von allen Beteiligten die ausgeprägtesten Moralvorstellungen und ist zudem etwas trottelig und naiv; er tut einem sogar ein bisschen leid, als er am Ende verhaftet wird. Brunos rechte Hand Tony ist zwar in Wahrheit als FBI-Agent offiziell auf der (guten) Seite des Gesetzes, gleichzeitig jedoch von einer derartigen Widerwärtigkeit, dass es richtig gut tut, als er schließlich seine gerechte Strafe erhält. ![]()
Anne Heche und Joan Chen geben wirklich ein ansehnliches Paar ab, und die Szene auf der Toilette für die leitenden Angestellten ist eine der wenigen sehenswerten Momente des Films. Schade, dass die anschließende Bettszene der beiden von so unsäglichem Softporno- Irreführenderweise existieren zwei "Wild Side"-Fassungen, eine geschnittene und eine "unrated Version". Die erste, geschnittene Version wurde ursprünglich offiziell von der Produktionsfirma Nu Image in die Kinos gegeben. Angeblich war Donald Cammell über die Schneidepolitik seiner Produktionsfirma so verzweifelt, dass er sich aus Protest eine Kugel in den Kopf schoss. Im Nachlass des Regisseurs fand man später ein Videoband, anhand dessen die ungeschnittene Version des Films erstellt wurde, dies dann erneut in die Kinos kam. Es könnte natürlich sein, dass die Produktionsfirma Cammells Selbstmord vor der Öffentlichkeit so hingestellt hat, um Profit aus der Neuauflage zu schlagen, und Cammell hatte in Wirklichkeit ganz andere Probleme (soll es ja auch geben). Oder er ist sein Leben lang tatsächlich nicht aus der Trotzphase herausgekommen und hat sich tief gekränkt von der schäbigen Welt verabschiedet, als er seinen Willen nicht bekommen hat. Wenn es so gewesen ist, müssten Nu Image und Cammell allerdings bei der anfänglichen Vertragsschließung ziemlich krass aneinander vorbeigeredet haben, denn bei einem Vergleich der beiden Filmversionen fällt unschwer auf, dass jede drastischere Sexszene aus dem Film konsequent herausgeschnitten wurde. Somit hätte Cammell also einen Sex and Crime-Film ohne Sex gedreht. Seine Verärgerung verstehe ich da schon, so gesehen. Andererseits "verpasst" die ZuschauerIn in der ersten Version lediglich folgendes:
Ist das nicht alles widerlich? Die schauspielerischen Leistungen sind durchaus okay, aber was für eine Verschwendung - und wie schade um das fotogene Paar! Also, zusammenfassend kein Film, den frau gesehen haben muss. Diskutiert eure Lieblingsfilme im Forum! |
InfosUSA 1995R:
|
|
Filme | Sitemap | DykesVision |