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The Last Man On Planet Earth

Kritik von Doro

Ein Konflikt mit Afghanistan führt zum Ausbruch des Dritten Weltkrieges, den amerikanische Militärs durch den gezielten Einsatz der Y-Bombe - einem Virus, der das Y-Chromosom befällt - zu beenden versuchen. Das Virus erweist sich als unberechenbar und tötet innerhalb kürzester Zeit fast die gesamte männliche Weltbevölkerung. Die Frauen trauern, ziehen ihre Konsequenzen und kommen zu dem Schluss, dass Männer von Natur aus gewalttätig sind. Da die Klontechnologie bereits soweit fortgeschritten ist, dass die Frauen auch ohne männliche Hilfe für Nachwuchs sorgen können, ist der Fortbestand der Menschheit gesichert. Die Sache hat nur einen Haken: Nur das Klonen weiblicher Kinder ist erlaubt.

Vor diesem Hintergrund beginnt die eigentliche Handlung des Films. Die junge Studentin Hope (Julie Bowen) ist heterosexuell und kennt Männer nur aus alten Filmaufzeichnungen oder als Hologramm. In einer Gesellschaft, die von lesbischem Leben geprägt ist, ist sie die Außenseiterin, dir ihr schmutziges Geheimnis vor der Welt verstecken muss. Damit will sie sich jedoch nicht zufrieden geben, und als sich durch ihre wissenschaftliche Arbeit an der Universität die Gelegenheit ergibt, schafft sie illegal mittels Gentechnologie und künstlicher Zeugung einen neuen Prototyp von Mann, der nicht mehr zur Gewalt fähig ist.

Durch stark beschleunigtes Wachstum in der Entwicklungsphase ist der passend benannte Adam (Paul Francis) bereits nach einem Monat erwachsen. Als er entgegen Hopes Willen die nähere Umgebung erkundet, wird er von Passanten entdeckt. Diese geraten in Panik und rufen die Polizei. Eine Jagd beginnt, bei der sich besonders die skrupellose FBI-Chefin und Senatskandidatin (Veronica Cartwright) stark engagiert, da sie es ihren Wählerinnen schuldig ist, sich für die Erhaltung ihrer friedlichen Lebensweise einzusetzen. Ein Mann kann den Frieden nur stören und ist automatisch ein Schwerverbrecher, der gestellt werden muss. Besser tot als lebendig. Bei der Fahndung spielt die mit den Ermittlungen betraute Polizistin (Tamlyn Tomita) eine entscheidende Rolle. Für sie haben Recht und Gerechtigkeit einen höheren Stellenwert als Politik, und als sie mit der ebenfalls nach Adam suchenden Hope konfrontiert wird, kommen ihr zunehmend Zweifel an ihren strikten Anweisungen.

Adam läuft in der Zwischenzeit einem Hetero-Teenager in die Arme, die ihn an ihre große Schwester (Martha Hackett) abschiebt, welche verkleidet als Michael Jackson als Prostituierte auf dem Straßenstrich arbeitet und Beziehungen zu dem verbotenen Bordell "Lysistrata" hat. In diesem Bordell sind ein paar der Überlebenden, gegen den Virus immunen Männer untergekommen - die jüngsten von ihnen sind noch unter sechzig - und gehen als Gegenleistung für Schutz und Unterkunft dem ältesten Gewerbe der Welt nach.

Adam ist als junger Adonis eine willkommene Abwechslung für die wohlhabenden Frauen mit ihren kriminellen heterosexuellen Gelüsten, schafft es jedoch, mit einem Kollegen zusammen zu fliehen, der ihn zu einem in Ruinen liegenden Stadion in Maryland mitnimmt. Das Stadion ist der geheime Stützpunkt einiger weniger freien Männer, die dort den Sturz der Lesbischen Verschwörung planen! Frauen hätten die Y-Bombe erfunden, damit Lesben die Weltherrschaft übernehmen, die Bibel verbrennen und Männer von ihrem rechtmäßigen Platz verdrängen können. Doch die Überlebenden dieser geplanten (?) Ausrottung sind bis an die Zähne bewaffnet und bereit, die Frauen wieder in ihre Schranken zu weisen.

Als Adam aufgrund seiner genetisch bedingten Gewaltlosigkeit den Beitritt zu dieser revolutionären Gruppierung ablehnt, will der Anführer (Cliff DeYoung) ihn gegen ein paar schwerkriminelle Frauen in gebärfähigem Alter tauschen. Mit deren Hilfe wollen sich die Männer fortpflanzen, denn langsam stoßen alle an eine Altersgrenze, jenseits der es keine Revolution mehr geben wird. Cartwrights Charakter stimmt zum Schein zu, nutzt statt dessen jedoch die Gelegenheit, diese Keimzelle des Terrorismus mit Raketengewalt zu ersticken. Für die aufrechte Polizistin kommt der Moment, an dem sie sich entscheiden muss.

Die Gesellschaft in The Last Man on Planet Earth lebt unter der Prämisse, dass Gewalt ein genetisch bedingtes Männerproblem ist, und diese Prämisse wird im Film auf die Probe gestellt. Mit sehr gemischtem Erfolg. Der erste nicht genetisch manipulierte Mann, dem Adam auf seiner Flucht begegnet, macht in seinem eleganten Smoking und in seiner Rolle als betagter Callboy zunächst keinen sonderlich gefährlichen Eindruck. Aber schon wenig später zeigt sich, wie trügerisch dieser Eindruck war. Ohne Gewissensbisse schlägt er beiläufig einer Frau den Schädel ein, um ihr den Wagen zu stehlen und so der Polizei zu entkommen. (In starkem Kontrast dazu Adams Mitgefühl und die fürsorgliche Art, mit der er seine zusammengerollte Jacke unter ihren Kopf bettet.)

Frauenpower

Hat die Gewalttätigkeit des Mannes unter der gelackten Schale noch eine Weile gebraucht, um zum Vorschein zu kommen, ist sie bei den Stadionbewohnern auf den ersten Blick offensichtlich. Die Mündungen geladener Waffen, die Adam nicht einen Augenblick aus dem Visier lassen, verkniffene Gesichter, gefletschte Zähne, alle Leute so heruntergekommen, wie das Stadion, in dem sie Zuflucht gesucht haben. Das Albtraumspiegelbild der Gesellschaft, in der die Frauen leben. Mit jedem Wort, das John Doe, ehemaliger Gebrauchtwagenhändler, jetzt christlich-fanatischer Revolutionär und Anführer seiner Truppe, von sich gibt, bestätigt er die These vom von Natur aus gewalttätigen Mann. Gleichzeitig lässt er aber auch Zweifel aufkommen. Ist etwas dran an seinen wilden Theorien? Immerhin hat sich die lesbische Lebensweise als die dominante durchgesetzt, das Christentum existiert nicht mehr und Männer sind eine aussterbende Art. Zwar scheint die männerlose Welt glücklich und perfekt zu sein, aber rechtfertigt das Ziel die Mittel?

Während man sich noch diese Fragen stellen kann, wird man gleich mit einer entgegengesetzten Wahrheit konfrontiert. Auch diese Welt ist nicht perfekt. Es gibt nach wie vor Kriminalität und (weibliche) Prostitution, und auch der Konflikt von Moral, Integrität und Macht ist einer, der Frauen genauso betrifft wie Männer. Während Tomitas Charakter moralische Überlegenheit für sich beanspruchen kann, weil sie es ablehnt, eine Beziehung mit einer Kollegin anzufangen, da das gegen die Dienstvorschriften verstoßen würde (erledigt sich zum Schluss und ein potentielles Happy End für die beiden wird angedeutet), ertappt sie ausgerechnet ihre Chefin in dem verbotenen Hetero-Bordell. Nach außen hin mit Frau und Kindern glückliche Familie vorspielen und gnadenlos die Männer jagen und vernichten, heimlich jedoch das Gegenteil von dem praktizieren, was sie predigt. Und ist es nicht auch Gewalt, einen unbewaffneten Mann zu jagen und ihn töten zu wollen? Oder Raketen auf zwar aufsässige, aber prinzipiell wehrlose Männer zu feuern? Und wenn dem so ist, was sagt das über die "Männer und Gewalt" These aus, wenn Frauen genauso gewalttätig handeln können?

Wenn der Film eine moralische Aussage hat, dann die, dass Politiker grundsätzlich menschlich suspekt sind, egal welches Geschlecht sie haben, dass es immer auch gute und rechtschaffene Leute gibt, und dass eine von Lesben regierte Welt eine bessere ist, man aber auch für die unterdrückten Hetero-Frauen ein paar Männer übrig lassen sollte. Aber nur solche wie Adam. Vielleicht könnte man auch ein paar speziell für die Bordelle züchten, aber auf die Idee ist wohl noch niemand gekommen.

Wer Antworten auf all die aufgeworfenen Fragen erwartet, ist bei The Last Man on Planet Earth an der falschen Adresse. Aber das ist auch völlig egal. Der Plot hält sowieso keiner näheren Begutachtung stand, und wer beim Ansehen nicht in hysterisches Gekicher ausbricht, hat irgendetwas verpasst. Der Film ist schräg. Unglaublich schräg, dabei sieht man ihm das noch nicht einmal an! Ich dachte zuerst, ich hätte eine Nachtwiederholung von Outer Limits erwischt, bevor meine Augen immer größer wurden und meine Mundwinkel verdächtig anfingen zu zucken.

Die Mischung aus bestürzender Weitsicht (wer hätte 1999 schon daran gedacht, Afghanistan mit einem Konflikt solcher Größenordnung in Verbindung zu bringen?), ernsthafter SF mit sozialkritischen Ansätzen, einer jenseits aller TV-Grenzen liegenden Idee, bei der man sich nur fragen kann, wie dieser Film es geschafft hat, gedreht zu werden, und einer Umsetzung, die es trotz aller Ernsthaftigkeit fertig bringt, völlig am Potential vorbei zu gehen, ist so komisch, dass man sich den Film am besten in großer Runde mit all seinen Freunden, Chips, Popcorn und in leicht angetrunkenem Zustand ansieht. Wahrscheinlich einer der unterhaltsamsten Filme mit lesbischer Thematik, der je über deutsche Bildschirme geflimmert ist. Sollte wegen des Kultpotentials in keiner Videosammlung fehlen.

Ansonsten kann man nur auf die nächste Nachtwiederholung bei einem unserer Privatsender warten, denn es lohnt sich immer wieder, Tamlyn Tomita sagen zu hören: "Sie waren also schon immer eine heimliche Hetero-Frau? Kein Grund, sich zu schämen. In meinem Job lernt man alles kennen."


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Info
(USA 1999)
R: Les Landau
D: Julie Bowen,
Paul Francis,
Tamlyn Tomita,
L. Scott Caldwell,
Elizabeth Dennehy,
Veronica Cartwright,
Nancy Hower,
Kimberlee Peterson,
Cliff DeYoung,
Martha Hackett

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