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Kaffee, Milch und Zucker
(Boys On The Side)

Kritik von Imke

Whoopi Goldberg gehört zu den schillernsten Figuren Hollywoods und hat sich neben über 120 heterosexuellen Rollen auch bereits mehrfach an lesbischen Figuren versucht. Genau genommen hat fast keine heterosexuelle (nehmen wir mal an, sie ist es) Schauspielerin so häufig lesbische Rollen in Kinofilmen gespielt wie Whoopi Goldberg. Außerdem scheint sie das unumstrittene Monopol in bezug auf die Darstellung afroamerikanischer Lesben zu haben - mal abgesehen vom Casting der Low Budget-Produktionen wie z.B. "Watermelon Woman", in denen Lesben sich selbst besetzen. Doch selbst ohne diese Tatsache wäre die sympathische Schauspielerin mit ihren oft genauso schnodderigen wie zu Herzen gehenden Rollen unter den Lesben vermutlich "Kult".

Nicht verschwiegen werden soll allerdings auch der (traurige) Rekord, dass Whoopi es geschafft hat, in den drei Filmen, in denen sie eine Lesbe verkörpert, insgesamt nur ein einziges Mal eine Frau zu küssen (geschweige denn mehr als das). Etwas besorgniserregend ist auch die historische Entwicklung, die sich bei den drei von ihr gespielten lesbischen Figuren abzeichnet: Während Celie in Spielbergs "Die Farbe Lila" (1985) ihrer Shug wenigstens noch einen verschämten Kuss verpassen darf, bleibt in "Kaffee, Milch und Zucker" (1995) Janes Liebe zu Robin unerfüllt bzw. wird nur auf rein platonischer Ebene erwidert.

Tief wie der Ozean

Tja, und in "Tief wie der Ozean" (1999) fällt die lesbische Identität der Kommissarin Candy Bliss nur in dem Moment auf, als die Kommisarin sich weigert, sich von der dankbaren Beth Cappadora (Michelle Pfeiffer) berühren zu lassen (konkret: sie zuckt zurück, als würde sie von einer Wespe gestochen), weil die dann ja denken könnte, dass ...

Mal abgesehen von "Farbe Lila" finden wir den zärtlichsten Leinwandmoment zwischen Whoopi und einer Frau nicht etwa in einem lesbischen Plot, sondern im Rahmen der bekannten Szene aus "Ghost", als das Medium Oda Mae Brown (Whoopi Goldberg) für den bereits aus dem Leben geschiedenen Sam (Patrick Swayze) ihren Körper zur Verfügung stellt, damit er und seine Freundin Molly (sehr sexy: Demi Moore) sich noch einmal nahe sein können. Nun ja, als es dann allerdings "ernst" wird, sehen wir natürlich doch plötzlich Sam(s Geist) und nicht etwa Oda Mae.

Da dürfen wir doch gespannt sein, in welcher Rolle wir Whoopi als Nächstes bewundern dürfen. Vielleicht als alternde lesbische Feministin, die sich unglücklich in einen Mann verliebt? Wir werden sehen... Jetzt aber mal zurück zu "Boys on the side":

Jane (Whoopi Goldberg) ist Musikerin und verdient ihr Geld mit abendlichen Auftritten in einem Nachtclub gemeinsam mit ihrer Band. Auf der Bühne ist es ihr nicht anzumerken, aber Janes engste FreundInnen wissen, dass sie seit einigen Tagen ziemlich angeschlagen ist, da ihre Liebste sie gerade verlassen hat. Als Jane eines Abends auch noch vom brotgebenden Nachtclub-Besitzer gefeuert wird, reicht es ihr endgültig und sie will nur noch eins: raus.

Drum ist sie auch hocherfreut, als sie in der Zeitung zufällig die Anzeige einer Frau entdeckt, die Richtung Westküste fahren will und eine weibliche Begleitung sucht. Obwohl beim ersten Kennenlerntreffen schnell klar wird, dass die unkonventionelle Jane und die konservative Robin (Mary-Louise Parker) absolut nichts gemeinsam haben, raufen sie sich doch zusammen und brechen in Richtung Westen auf.

Bereits nach wenigen Meilen Autofahrt ist Jane genauso angenervt wie belustigt, aber auch zunehmend beeindruckt von Robin, die so ganz andere Vorstellungen vom Leben hat als sie selbst: Robin träumt von einem Ehemann mit einem anständigen Job und zwei Kindern, "ein Junge und ein Mädchen, in dieser Reihenfolge", und von einem Haus im Kolonialstil. Sehr lange verbirgt Robin vor Jane, dass sie Aids hat. Und fast ebenso lange verbirgt Jane vor Robin, dass sie sich von Automeile zu Automeile mehr in sie verliebt...


Kaffee, Milch und Zucker 2
Infos
USA 1998
R:
Michael Cristofer
B:
Jay McInerney
D:
Whoopi Goldberg,
Mary-Louise Parker,
Drew Barrymore


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