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DykesVision / Lesbenfilme / Entre Nous |
Entre Nous (Coup De Foudre)Kritik von ImkeDie bekannte französische Regisseurin Diane Kurys hat in "Entre nous" die Liebesgeschichte ihrer Mutter in poetischen Bildern verfilmt, es ist die Geschichte von Lena und Madeleine. Im französichen Original lief der Film unter dem Titel "Coup de foudre", was so viel heißt wie "vom Blitz getroffen" oder "Liebe auf den ersten Blick". Die jüdische Lena (Isabelle Huppert) aus Antwerpen wird 1942 in Frankreich verhaftet und in ein Lager in den Pyrenäen gebracht. Eines Tages findet sie in ihrem Essen einen kleinen Zettel, den ihr offenbar der Koch, der im Lager die Suppe verteilt, ins Brot gesteckt hat. Er schreibt Lena, dass er Legionär sei und die Erlaubnis habe, hier im Lager zu heiraten. Der nächste Transport nach Deutschland sei schon in drei Tagen, und er wolle sie davor bewahren, indem er sie heirate und mitnehme. Ob sie einverstanden sei. Natürlich ist Lena einverstanden, und die beiden machen sich auf den beschwerlichen Weg durch die Berge über Italien zurück nach Frankreich. Etwa zur selben Zeit heiratet die Kunststudentin Madeleine (Miou-Miou) in Frankreich einen Kommilitonen. Das Glück währt nicht lange, denn nur kurze Zeit später wird die Kunsthochschule, an der beide studieren, von der Polizei umstellt. Da die Studenten Widerstand leisten, kommt es zu einer Schießerei, bei der Madeleines Mann erschossen wird. Das Erlebnis verändert Madeleine tiefgreifend, sie gibt ihr Studium auf, zieht wieder zu ihren Eltern und sich selbst immer mehr zurück. Erst zehn Jahre später, 1952 in Lyon, begegnen sich Lena und Madeleine das erste Mal. Madeleine hat inzwischen den - ziemlich erfolglosen - Schauspieler Costa (Jean-Pierre Bacri) geheiratet, Lena ist bei Michel (Guy Marchand) geblieben, der seit einigen Jahren eine eigene Werkstatt betreibt. Bei einem Kindertheater, in dem Madeleines Sohn René und Lenas Töchter Florence und Sophie mitwirken, lernen sich die beiden Frauen zufällig kennen und mögen sich auf Anhieb.
Zwischen Lena und Madeleine entwickelt sich in kurzer Zeit eine tiefe Vertrautheit und Nähe, die deren Ehemänner nicht nur äußerst blass, sondern geradezu als Statisten erscheinen läßt. Weder Lena noch Madeleine sind glücklich in ihrer Ehe: Der einfache und etwas einfältige Michel hat Lena wenig zu bieten, Costa ist ein arbeitsloser Träumer, der ständig neue Projekte an Land zieht, mit denen er viel Geld machen will, die jedoch regelmäßig scheitern und ihn in Depressionen verfallen lassen. In diesem Alltagsgrau lässt die enge Beziehung, die Lena und Madeleine miteinander haben, beide aufblühen, und bald sehen sie sich täglich. Durch gemeinsame Unternehmungen der Familien freunden sich auch die Ehemänner miteinander an, allerdings eher als eine Art Notgemeinschaft. Lena und Madeleine dagegen schmieden Pläne für die Zukunft, sie wollen gemeinsam eine Kleiderboutique in Lyon eröffnen. Aber dann kommt doch alles ganz anders... Zwar bleiben sowohl Lena als auch Madeleine in ihrer Sexualität auf Männer bezogen (sie entwerfen z.B. gemeinsam einen Liebesbrief an Madeleines Liebhaber), aber dennoch besteht bald kein Zweifel mehr darüber, dass sie eine tiefe Zuneigung füreinander empfinden. Ihre Beziehung bleibt konkurrenzlos, und dies fällt natürlich auch ihren Ehemännern auf (abgesehen davon bleibt Michels Vorwurf an Lena, sie treibe mit Madeleine "lesbische Schweinereinen", von dieser unwidersprochen...). Nach einem Streit mit Costa, flieht Madeleine zu Lena und beschließt, ihren Mann zu verlassen. Sie fragt Lena, ob sie mit ihr nach Paris kommen würde. Diese antwortet bewegt: "Ich möchte Sie küssen, Madeleine" (was sie aber nicht tut, sondern nur stumm den Kopf an Madeleines Schulter schmiegt - spätestens an dieser Stelle hat bestimmt schon so manche Lesbe enttäuscht das Kino verlassen bzw. den Fernseher ausgestellt). Lena geht auf Madeleines Angebot nicht ein und bleibt in Lyon. Als die beiden in Paris eine Modenschau für ihre geplante Boutique besuchen, bittet Madeleine sie erneut: "Bleiben Sie bei mir." Doch ein weiteres Mal kehrt Lena zu ihrem Mann zurück. Das hätte sie allerdings lieber nicht tun sollen, denn dieser hat inzwischen herausgefunden, dass Lena ihn angelogen hat, um zu Madeleine fahren zu können und verbietet ihr jeden weiteren Kontakt zu Madeleine. So braucht es noch einige Hin- und Hers, noch einige Tränen und noch die ein oder andere Lüge bis Lena sich schließlich endgültig für das Zusammenleben mit Madeleine entscheidet und gemeinsam mit den Kindern zu ihr nach Paris zieht. Diane Kurys ist hier ein sehr persönlicher Film gelungen, der von der Kritik hochgelobt wurde. Unter den Lesben (jedenfalls unter denen, dich ich so kenne) ist er allerdings nicht sehr beliebt, weil er nicht wirklich preisgibt, welcher Art nun die Beziehung zwischen Lena und Madeleine tatsächlich war (wobei zugegeben nicht so ganz klar ist, ob sich nur Diane Kurys oder die beiden Frauen selbst so kryptisch verhalten haben). "Das ist doch gar kein richtiger Lesbenfilm", so der einhellige, enttäuschte Kommentar meiner Freundinnen. Naja, kann ich ja verstehen: Nach der langen Zeit subtextlicher Entbehrungen haben wir einfach keine Lust mehr auf angedeutete Gesten und versteckte Symbole (z.B. zieht sich der Song "I wonder who's kissing her now" durch den gesamten Film). Aber andererseits ist es so ein schöner, zarter und zudem noch qualitativ hochwertiger Film (und außerdem ist die Filmmusik so schön, das muß ja auch mal gesagt werden...), dass ich ihn einfach sehr gern mag. Und es bedürfte wohl auch einer längeren Diskussion, ab wann frau nun lesbisch ist und wann Liebe Liebe ist und wie viele Schubladen wir überhaupt zur Auswahl haben... Filme könnt ihr auch im DykesVision-Forum diskutieren. |
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