Dr. T and the Women
Kritik von Layara
Robert Altman gehört zweifellos zu den
besten Filmemachern der letzten Jahrzehnte und wer
schon einmal einen Film von ihm gesehen hat, der
kennt schnell seine Vorlieben für große
Schauspielerensemble, seltsame Charaktere, lange
Schnitte und überlappende Dialoge, in denen
mehrere Schauspieler gleichzeitig sprechen. Das
kann -wie bei Short Cuts, The Player oder Gosford
Park- gut gehen und man sieht ein wahres
Filmkunstwerk. Das kann aber auch wie leider
in diesem Fall- deutlich hinter den hohen
Maßstäben, die man an Robert Altmans
Filme legt, zurückbleiben.
Sullivan Travis (Richard Gere) könnte man als
Traummann beschreiben: Einfühlsam, freundlich,
attraktiv, gebildet, wohlhabend und nach
allem, was wir wissen- treu, auf jeden Fall aber
ein liebender Familienvater. Dr. T, wie er von
seinen Patientinnen genannt wird, ist
Gynäkologe und betreibt eine Praxis in Dallas,
die bestens läuft, so dass er fast
ausschließlich von Frauen umgeben ist: Mit
Kate (Farrah Fawcett) hat er zwei Töchter -Dee
Dee (Kate Hudson), die gerade ihre Hochzeit plant,
und Connie (Tara Reid). Außerdem ist seine
Schwägerin Peggy (Laura Dern) mit ihren drei
kleinen Töchtern kürzlich in den Haushalt
eingezogen, da sie sich von ihrem Mann getrennt
hat. In seiner Freizeit geht Dr. T mit Freunden zur
Jagd oder spielt Golf im Club, wo die ehemalige
Profigolferin Bree Davis (Helen Hunt) neuerdings
Unterricht erteilt.
Alles scheint perfekt, doch dann wird bei Kate das
Hestia-Syndrom diagnostiziert, welches dazu
führt, dass sie sich immer weiter in einen
kind-ähnlichen Geisteszustand zurückzieht
und schließlich in eine psychiatrische Klinik
eingewiesen werden muss. Anfangs wehrt Dr. T sich
noch gegen diese Vorstellung und glaubt, seine Frau
irgendwie zurückgewinnen zu
können, doch schließlich muss er die
Endgültigkeit der Diagnose akzeptieren.
Connie, die diversen Verschwörungstheorien
anhängt und Führungen zu den
Schauplätzen der Kennedy-Ermordung
veranstaltet, ist eifersüchtig auf ihre
Schwester und erhebt permanent Einwände gegen
Details der bevorstehenden Hochzeit. Peggy spricht
vermehrt dem Alkohol zu. In der Praxis kommt es zu
Auseinandersetzungen der Patientinnen
untereinander, die allesamt um Dr. Ts
Aufmerksamkeit buhlen, ebenso wie seine Assistentin
Carolyn (Shelley Long). Um sich abzulenken, geht
Dr. T zum Golfen, wo er sich bei Bree ausspricht
und ihr schnell näher kommt, was
schließlich in einer heimlichen Affäre
gipfelt.
Dee Dee schlägt sich währenddessen mit
der Frage herum, wer denn nun ihre Erste
Brautjungfer werden soll. Als die Entscheidung
schließlich auf ihre ehemalige Kommilitonin
Marilyn fällt, sind Connies kryptische
Einwände noch heftiger als sonst:
Hast Du schon einmal daran gedacht, dass
Marilyn viel mehr im Sinn haben könnte, als
nur deine erste Brautjungfer zu sein?
Aber Dee Dee lässt sich nicht beirren und so
trifft Marilyn (Liv Tyler) schließlich in
Dallas ein, um bei den Kleiderproben dabei zu sein.
So sehr Dee Dee sich freut, sie zu sehen, so sehr
zeigt Connie ihr die kalte Schulter. Allzu viel
muss man nicht zwischen den Zeilen lesen, denn
schon bald werden eventuelle Zweifel über die
Beziehung von Braut und Brautjungfer
ausgeräumt
Connys Laune strebt unterdessen dem Tiefpunkt zu
während der Kleiderproben feilscht Dee
Dee um jeden Zentimeter von Marilyns
Dekolleté, würdigt das Kleid ihrer
Schwester aber keines Blickes! Unter einem Vorwand
gelingt es Conny, sich in das Büro ihres
Vaters zu schleichen, wo der überraschte Dr. T
gerade an eigenen Problemen zu kauen hat und sich
anhören muss, dass seine ältere Tochter
kurz vor einer sündhaftteuren Hochzeit
stehend- lesbisch sei und eine Affäre mit der
ersten Brautjungfer hatte.
Dr. T ist zunächst verwirrt, aber noch bevor
er die Neuigkeiten verarbeiten kann, schneit Bree
herein, die sich geduldig seine Sorgen anhört
und lakonisch meint: Immerhin haben sie am
nächsten Tag noch Achtung
voreinander
Es kommt, wie es in Filmen kommen muss, und so
schreitet Dee Dee am Tag ihrer Hochzeit am Arm
ihres Vaters den Mittelgang hinab und scheint sich
zum ersten Mal zu fragen, ob sie die richtige
Entscheidung getroffen hat. Sie zögert
und wirft sich schließlich nach einem
kurzen Blick auf den Bräutigam der schwer
atmenden Marilyn in die Arme! Die Hochzeit ist
geplatzt und im Chaos eines aufkommenden Unwetters
löst sich die Gesellschaft langsam auf.
Hier hätte der Film besser geendet, denn was
nun folgt, ist eines der schlechtesten Finale der
Filmgeschichte, das nicht nur eine
äußerst unbefriedigende Auflösung
des Konfliktes bietet, sondern auch einen bitteren
Nachgeschmack hinterlässt und deshalb hier
auch nicht referiert werden soll! Dass ein Film,
der ausdrücklich Frauen gewidmet ist,
hauptsächlich von Frauen handelt und von einer
Frau geschrieben wurde, so frauenfeindlich sein
kann, geht über mein Verständnis hinaus.
Erschreckend auch die Symbolik des Films, die
Frauen nur in künstlichen Umgebungen wie
Einkaufszentren etc. darstellt ganz im
Gegensatz zu Dr. Ts naturverbundenen
Jagdkumpanen.
Aber selbst abgesehen vom Ende weist der Film
einige Schwächen auf, z.B. einen wirklichen
Mangel an Humor oder permanente Unentschlossenheit:
Er ist weder Drama noch Komödie, auch für
eine Parodie ist Dr. T and the Women zu
ernsthaft, langatmig und zahm.
Die schauspielerische Leistung ist durchweg gut,
aber, besonders im Fall von Richard Gere, nicht
überragend.
Empfehlenswert ist der Film nur für Fans von
Altman oder der Schauspieler, und selbst dann nur,
wenn man wirklich nichts Besseres zu tun hat! Kate
Hudson und Liv Tyler geben zwar ein hübsches
Paar ab, aber die wenigen Szenen trösten nicht
über den Rest des Films hinweg.
Diskutiert eure Lieblingsfilme im
Forum!
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Infos
USA 2000
R:
Robert Altman
B:
Anne Rapp
D:
Richard Gere,
Helen Hunt,
Farrah Fawcett,
Laura Dern,
Shelley Long,
Tara Reis,
Kate Hudson,
Liv Tyler
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