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Claire Of The Moon

Kritik von Imke

"Claire Of The Moon" spielt in einem abgelegenen Camp, in dem sich Schriftstellerinnen für einige Wochen treffen, um gemeinsam zu streiten, zu diskutieren und um sich Inspiration für ihre Arbeit zu holen. Maggie (Faith McDevitt), die jedes Jahr zu den Treffen einlädt, hat arrangiert, dass sich ihre schreibende Kollegin Noel Benedict (Karen Trumbo) mit der Satirikerin Claire Jabrowski (Trisha Todd) eine Ferienhütte teilen muss - in der Hoffnung, Noel ein wenig "aus ihrem Schneckenhaus zu locken". Doch Maggies Plan geht, wie nicht anders zu erwarten, zunächst schief.

Die introvertierte, strebsame Noel, promovierte Psychotherapeutin und - wegen ihrer Bücher über sexuelles Verhalten - auch "Doktor der Liebe" genannt, trauert einer Verflossenen nach und will nichts anderes als ihre Ruhe, um an ihren Studien zu arbeiten. Die scharfzüngige Claire dagegen ist ständig auf der Suche nach neuen Kicks (meist in Form von Männer-Aufreißen) und versetzt die gemeinsame Hütte zigarilloqualmend innerhalb kürzester Zeit in einen Zustand, wie wir ihn in Germany von Hempels unterm Sofa kennen.

Die Vorstellungen der beiden Frauen über Ordnungssinn, Tag-Nacht-Zyklen, Sauerstoffversorgung und Arbeitshaltung gehen derart auseinander, dass sich Noel genervt an Maggie wendet und um ein neues Zimmer bittet. Claire sei rücksichtslos, unorganisiert und schludrig und vor allem "so... so... hetero". Maggies lapidarer Kommentar: "Ich wusste, dass sie dir gefällt". Aus dem Umzug wird also nichts und die zwei Streithennen müssen sich irgendwie arrangieren.

Beim Arrangieren kommt ihnen zur Hilfe, dass sich die anderen Teilnehmerinnen des Schriftstellerinnen-Treffens während der regelmäßig einberufenen "Laberrunden" dermaßen inakzeptabel verhalten, dass es Claire und Noel doch ratsamer scheint, sich gemeinsam gegen die "latente Verzicktheit" der Damen zu verbünden. Das zwischen Noel und Claire so sorgsam aufgeschichtete Eis beginnt endgültig zu bröckeln, als sich Noel in einer der Laberrunden als Lesbe outet, was Claire in große Verwirrung stürzt.

In den nächsten Tagen des Zusammenlebens bemerkt Claire nämlich mit Entsetzen, wie sehr sie sich zu Noel hingezogen fühlt. Noel geht es ähnlich, und ihr entgeht auch Claires Interesse nicht, sie befürchtet aber, Claire wolle nur experimentieren. Und natürlich haben beide Frauen außerdem ganz schreckliche Angst vor Nähe und Bindung...

So entsteht ein langer "Tanz" umeinander, in dem beide versuchen, die andere aus der Reserve zu locken und dabei selbst gut in Deckung zu bleiben. Allerdings kommt es zwischendurch immer wieder zu unbeabsichtigten, intimen Momenten der Selbst- und Fremdoffenbarung, die durch nachdrücklichen Zynismus wettgemacht werden müssen. Entsprechend lange dauert es, bis Noel und Claire schließlich bereit sind, sich ihre Gefühle vor sich selbst und voreinander einzugestehen...

Wenn eine lesbische Regisseurin sich mit lesbischen Schauspielerinnen zusammentut, um einen lesbischen Film zu drehen, gibt das bei mir schon mal Bonuspunkte, allein schon wegen des Kraftaktes, so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Es ist wirklich zu schade, dass Nicole Conn mit dem Film einfach zu viel wollte und ihn dadurch richtiggehend überfrachtet hat: Der Film soll sinnlicher Liebesfilm sein, er soll lesbische Erotik zeigen, ohne auf Pornoniveau abzudriften, er soll intellektuelles Diskussionsforum sein zu Themen wie "Frau-Sein in der Gesellschaft", "Vor- und Nachteile gleich- und gegengeschlechtlicher Liebe", und dann soll er auch noch Satire sein. Dazu will er Stereotypen entlarven, während er aber gleichzeitig mit ihnen arbeitet.

Bei manchen Dialogen war mir persönlich überhaupt nicht klar, ob es darum ging, die feministische Diskurs-Pflege auf die Schippe zu nehmen, oder ob Nicole Conn die Gelegenheit genutzt hat, um endlich mal ein paar persönliche Wahrheiten an die Frau/den Mann zu bringen. Sollen die ermüdenden Dialoge der Schriftstellerinnen nun intellektuell klingen oder gerade die Pseudointellektualität entlarven? Ich befürchte fast, ersteres.

Alles wirkt ein bisschen zu sehr inszeniert, Claires aufreizende Erotik und Noels scheue Melancholie ein bisschen zu sehr in Szene gesetzt. Die zwanghafte Psychotherapeutin mit neurotischer Bindungsangst und tief vergrabener Sehnsucht nach Leidenschaft. Die bissige Satirikerin, die nur das Wort Psychotherapie dazu bringt, verbal um sich zu schlagen, die sich innerlich aber leer fühlt. Dann die seltsam blöden Schriftstellerinnen (Typ naive Hausfrau und Mutter, spirituelle Eso-Tante, zickige Hetentussi etc.). Und schließlich Maggie, deren demonstratives Butch-Gehabe nicht mehr viel mit Schauspielerei zu tun hat, jedenfalls nicht in meinen Augen. Nicole Conn selbst sagt über Faith McDevitt, sie sei "ein lesbischer Clark Gable, ein Filmstar und die hübscheste Frau, die es je gegeben hat". Nun ja, so können sich die Geschmäcker unterscheiden...

Neben diesen Kritikpunkten hat der Film aber durchaus seine guten Momente. Manche Szenen sind sehr anrührend, und die erotische Spannung der beiden Hauptdarstellerinnen kommt in jedem Fall authentisch rüber (da macht sich eben doch das "lesbische Element" bemerkbar).

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Bemerkenswert ist auch, dass aus dem Film ein gleichnamiger Roman entstanden ist und außerdem ein "Making of"-Video ("Moments") im Handel erhältlich ist. Letzteres ist mit 85 Minuten zwar etwas lang geraten, eröffnet aber völlig neue Perspektiven auf den Film, und das macht es sehenswert - zumindest für Leute, die gern mal hinter die Kulissen schauen.

"Moments" zeigt die mühevolle Entstehung von "Claire of the Moon" und die Beziehung der Regisseurin zu ihren Figuren und zu den Schauspielerinnen. Darüber hinaus werden Ausschnitte aus den Castings gezeigt, die ersten Kussversuche der Hauptdarstellerinnen sowie geschnittenes Filmmaterial. Die Begeisterung und der Enthusiasmus der gesamten "Claire-of-the-moon"-Crew wird schnell deutlich und versöhnt die Zuschauerin mit so einigen Szenen aus dem Spielfilm selbst - ich jedenfalls habe ihn schließlich sogar richtig liebgewonnen.


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Infos
USA 1992
R:
Nicole Conne
B:
Nicole Conn
D:
Trisha Todd,
Karen Trumbo
Faith McDevitt

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