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But I'm A Cheerleader

Kritik von Imke


Eigentlich scheint mit der 17jährigen Megan (Natasha Lyonne) alles so weit in Ordnung: Ihre College-Leistungen sind hervorragend, ihre Freizeit verbringt sie begeistert als Cheerleader des College-Football-Teams, und seit zwei Jahren geht sie mit dessen Quarterback aus. So weit, so trügerisch die Idylle, das meint zumindest Megan's besorgtes soziales Umfeld, allen voran ihre Eltern. Denn offensichtlich gibt es einige Beweise dafür, dass mit Megan in Wirklichkeit etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, als da wären: Ein riesiges Melissa Etheridge-Poster in Megans Zimmer, ein relativ spärlich bekleidetes Model in ihrem College-Spind und die Tatsache, dass Megan beim Küssen ihres Quarterbacks nur mäßig bei der Sache zu sein scheint.

Was also tun? Die um das Wohl ihrer Tochter redlich bemühten Eltern wissen sich schließlich keinen anderen Rat mehr, als Megan für ein paar Monate in ein "Umerziehungscamp" zu stecken, wo sie auf den rechten, d.h. heterosexuellen Pfad der Tugend zurückgeführt werden soll, damit ihrem weiteren Lebensglück nichts mehr im Wege steht. Im Camp "True Directions" angekommen, muss sich Megan zunächst das Lehrvideo "How to become straight" zu Gemüte führen, bevor die strenge Leiterin Mary Brown sie mit dem Fünf-Schritte-Programm des Camps vertraut macht. Folgende Schritte sind von Megan im Laufe der nächsten Monate zu bewältigen:

1. Das Bekenntnis, homosexuell zu sein.
2. Die Wiederentdeckung der eigenen sexuellen Identität.
3. Familientherapie.
4. Die Entmystifizierung des anderen Geschlechts.
5. Das Simulieren des heterosexuellen Sexualaktes.

Schon mit dem ersten Schritt tut sich Megan reichlich schwer, denn sie besteht darauf, zwar überzeugte Vegetarierin und Cheerleader, aber mit Sicherheit keine Lesbe zu sein. Aber in der Gruppentherapie auf dem "heißen Stuhl" in die Mangel genommen, muss sie es sich doch schließlich eingestehen: Ihre heißen Fantasien von den hüpfenden Brüsten ihrer Cheerleader-Kolleginnen während der Zungenküsse ihres Quarterbacks scheinen eindeutig nicht heterosexueller Natur - na, dann herzlichen Glückwunsch: der erste Schritt wäre getan...

Zum Glück muss Megan die nächsten Schritte nicht einsam vor sich hin absolvieren, sondern übt gemeinsam mit ihren lesbischen und schwulen Leidensgenossen den heterosexuellen Lebensstil. Für die Mädchen steht Staubsaugen, Putzen, Schminken, Hochzeitskleider anziehen und Babywickeln auf dem Programm, für die Jungen ist u.a. Holzfällen und Krieg spielen angesagt... Zur Auflockerung trägt u.a. bei, dass sowohl die Mädels als auch die Jungs einen eigenen Schlafsaal haben, wo des Nachts und somit jenseits sonstiger Pflichten Zeit ist für - sagen wir - die ein oder andere sonst nicht erlaubte Tätigkeit...

Beim platonischen, gleichgeschlechtlich "Friendship"-Rollenspiel lernt Megan die aufsässige Graham (Clea Du Vall) näher kennen und kann bald nicht mehr verhindern, dass diese auch in ihren nächtlichen Träumen eine nicht unerhebliche Rolle spielt... Doch zunächst sind die Schritte 3 und 4 des "True Direction"-Programms zu bewältigen: Die Familientherapie und die Beschäftigung mit dem anderen Geschlecht.

Beide Schritte verlaufen für alle beteiligten Gays dermaßen unerfreulich, dass sie schließlich zu dem geheimen Ergebnis kommen, sich jetzt auf jeden Fall eine Aufmunterung im "Cocksucker", einer stadtbekannten Homo-Disco, verdient zu haben. Dort kommt es denn auch zu den ersten Küssen zwischen Megan und Graham. Und die geneigte KinozuschauerIn bekommt ein anderes kleines Highlight gleich mitgeliefert: Wir dürfen Julie Delpy als Lipstick-Lesbe um Megan herumtänzeln sehen...

Bedauerlicherweise bleibt der kleine Ausflug den wachsamen Argusaugen der Mrs. Brown nicht verborgen, und nicht nur das: Auch die erste gemeinsame Nacht von Megan und Graham entgeht ihnen nicht, was natürlich nicht ohne Konsequenzen bleibt. Megan entschließt sich, das Camp zu verlassen und zieht zu den zwei schwulen Männern, die sie ins "Cocksucker" geschmuggelt hatten. Graham jedoch bleibt im Camp zurück, worüber Megan sehr bestürzt ist.

Tja, und so verpasst Megan denn auch den Höhepunkt des 5-Schritte-Programms: Den simulierten heterosexuellen Sexualakt. Doch unter uns: Keine(r) der beteiligten Camp-BewohnerInnen hat große Freude an dem Rollenspiel... Und außerdem ist ja noch nicht aller Tage Abend und die Chancen stehen gut, dass Megan ihre Graham doch noch für sich gewinnen kann...

Wie aus dem bisher Gesagten unschwer zu erkennen ist, handelt es sich trotz der traurigen Tatsache, dass derartige "Umerziehungscamps" in den USA wirklich existieren, bei diesem Film nicht etwa um eine Tragödie, sondern um einen schrille, bunte Komödie im Slapstick-Format. Sowohl das Drehbuch als auch das Agieren der SchauspielerInnen lassen keinen Zweifel daran, dass hier die homosexuellen Stereotypen auf die Schippe genommen werden sollen. Was auch gelingt, denn der "But I'm A Cheerleader" hat durchaus seine lustigen und entlarvenden Momente.

Allerdings fehlt ihm jegliche Tiefe, an keiner Stelle vermag er zu fesseln, und die ZuschauerIn ist in keiner Szene wirklich berührt. Er bewegt sich ausschließlich auf einer oberflächlichen, satirischen Ebene, wobei ihm leider letztlich der Biss fehlt, der ihn zu einem wirklich guten Film hätte machen können. Die Stereotypen werden überzeichnet, aber nicht überwunden, viele Szenen sind zwar witzig, aber wahrlich keine Schenkelklopfer.

Insgesamt bleibt es also ein harmloses, vergnügliches Kinoereignis ohne Anspruch - für mich persönlich nicht gerade ein Anlass, viel Geld für eine Kinokarte auszugeben.


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Info
(USA 1999)
R: Jamie Babbit
B: Jamie Babbit,
Brian W.
Peterson
D: Natasha Lyonne,
Clea Du Vall

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