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DykesVision / Filme / The Celluloid Closet |
Gefangen in der TraumfabrikThe Celluloid ClosetKritik von Ivanova ![]()
"In a hundred years of movies, homosexuality has only rarely been depicted on the screen. When it did appear, it was there as something to laugh at -- or something to pity -- or even something to fear. These were fleeting images, but they were unforgettable, and they left a lasting legacy. Hollywood, that great maker of myths, taught straight people what to think about gay people... and gay people what to think about themselves." [1] Warum durfte Marlene Dietrich in Marokko eine Frau auf den Mund küssen, wo ist das schwule Element in Blondinen bevorzugt, und wie kam es eigentlich dazu, dass homosexuelle Charaktere meist als böse oder unglücklich dargestellt wurden (und oft heute noch werden)? Der Dokumentarfilm basiert auf dem 1978 erschienenen gleichnamigen Buch von Vito Russo, das als die erste methodische Untersuchung von Homosexualität im Film gilt. Er beleuchtet die Darstellung bzw. Nichtdarstellung von Schwulen und Lesben im Film seit seiner Entstehung, von den ersten experimentellen Stummfilmen bis hin zu Independent-Filmen der 80er und frühen 90er Jahre. Was gezeigt werden durfte, was der Schere zum Opfer fiel und wie es Filmemacher manchmal doch schafften, den ein oder anderen Subtext einzuschmuggeln. ![]() Als Erzählerin führt Lily Tomlin (eine der ersten offen lesbischen US-Schauspielerinnen) durch den Film, verfasst wurde der Text von Armistead Maupin (Autor der Stadtgeschichten). Im Vorfeld haben sich viele jahrelang engagiert, damit das Projekt überhaupt zustande kam; neben Russos guter Freundin Tomlin, die auch als Executive Producer fungierte, rührte zum Beispiel Robin Williams die Werbetrommel. Das Budget wurde schließlich durch die Kooperation mit europäischen Sendern (Channel 4 und ZDF/ARTE) aufgebracht. Dennoch werden hier hauptsächlich Hollywood-Filme der A-Kategorie unter die Lupe genommen, obwohl z.B. auch die britischen Filme Mein wunderbarer Waschsalon und Another Country mit einbezogen werden. Montagen von insgesamt 120 Ausschnitten wechseln sich ab mit Interviews und Kommentaren von Filmschaffenden, darunter Whoopie Goldberg (Die Farbe Lila und später dann Kaffee, Milch und Zucker), Jan Oxenberg (lesbische Regisseurin), Shirley MacLaine (The Children's Hour) Susan Sarandon (The Hunger), unter den Männern Gore Vidal (Ben Hur) und Tom Hanks (Philadelphia). In der Special DVD-Edition kommt auch Mariel Hemingway zu Wort (über Personal Best; auch sie spielte später noch weitere lesbische Rollen). Sie geben Einblick in die Hintergründe ihrer Filme, berichten, wie Homosexualität in ihrer Zeit im Film gesehen und behandelt wurde, und philosophieren über die Gründe, warum Frauenküsse eher geduldet werden als Männerküsse. Und sie erzählen auch einige köstliche Anekdoten: Der Regisseur von Ben Hur wollte, dass die beiden Erzfeinde Ben Hur und Massala so gespielt würden, als hätten sie früher einmal eine Affäre miteinander gehabt (was er wohlweislich nur Stephen Boyd mitteilte, nicht dem erzkonservativen Charlton Heston). Oder wie Susan Sarandon sich beim Dreh von The Hunger gegen die Idee verwahrte, dass ihre Filmfigur erst betrunken gemacht werden sollte, bevor sie sich von einer der schönsten Frauen der Welt verführen ließ: "Man muss nicht betrunken sein, um mit Catherine Deneuve schlafen zu wollen - egal, welche sexuelle Orientierung man vorher hatte." Im Wechsel von Montagen und Interviews wird belegt, dass die Darstellung von Lesben und Schwulen in Hollywood in bestimmten Phasen verlief, abhängig davon, was erlaubt war - oder überhaupt im öffentlichen Bewusstsein: Homosexuelle als "Fehler der Natur", als Lachnummer (immer wieder gern genommen) oder SchurkInnen (die einzige Möglichkeit, Lesben oder Schwule während der Zeit des Hayes Codes auf die Leinwand zu bringen). Durch die Fülle an Ausschnitten (allerdings weit mehr "schwules" als "lesbisches" Material) ist der Film selbst nicht nur bewegend, sondern auch sehr unterhaltsam - auch wenn das Thema, die Marginalisierung und Diffamierung von Lesben und Schwulen im Film, eigentlich zum Heulen ist. Dazu trägt auch bei, dass er selbst im Stil großer alter Hollywoodfilme gehalten ist; z.B. wurde eine typische Filmmusik dafür komponiert. Vito Russo wollte, dass er das That's Entertainment des schwulen Films würde. The Celluloid Closet bleibt manchmal etwas an der Oberfläche kleben und erreicht auch nicht die politische Kraft der Buchvorlage, doch das mindert seinen Wert keineswegs. Er vermittelt anschaulich das Ausmaß der Verlogenheit der Filmindustrie. So manche Hete dürfte endlich verstehen, warum Lesben und Schwule ein solches Nachholbedürfnis für angemessene Repräsentation in den Medien haben. Und spätestens wenn Tom Hanks erzählt, wie er als Teenager im Kino jubelte, weil die blöde Tunte umgebracht wurde, dürften die meisten "Es ist doch nur Film"- Argumente verstummen. Deutlich wird auch, warum wir einen Sinn für Subtext entwickeln konnten/ mussten, der der gemeinen Hete meist abgeht. Wer den Film gesehen hat, wird nicht nur Ben Hur, sondern beispielsweise auch Laurel & Hardy mit völlig anderen Augen sehen... Die vorschnelle Annahme, in den letzten Jahrzehnten habe sich alles zum Guten gewendet, dürfte eine Montage gegen Ende des Films widerlegen: Sie zeigt, in wie vielen (damals) aktuellen Filmen das Wort "Faggot" (verächtlicher Ausdruck für Schwule) als Beleidigung gebraucht wurde. Das ließe sich auch heute noch beliebig fortsetzen. Man stelle sich vor, Worte wie "Nigger" würde in dem Ausmaß benutzt - ein Aufschrei würde durch die Welt gehen. Dennoch endet The Celluloid Closet mit einem positiven Ausblick: "The long silence is finally ending. New voices have emerged, open and unapologetic. They tell stories that have never been told -- about people who have always been there." [2] The Celluloid Closet hat zahlreiche Preise gewonnen; er wurde für fünf Emmys nominiert und bekam ihn für die Regie. ![]() Leider konnte Vito Russo den Erfolg dieser Fortsetzung seines Werks nicht mehr miterleben: Er starb 1990 an den Folgen von AIDS. "We have cooperated for a very long time in the maintenance of our own invisibility. And now the party is over." (Vito Russo) [3] [1] In hundert Jahren Film wurde Homosexualität nur selten auf der Leinwand abgebildet. Wenn sie einmal auftauchte, dann als etwas, worüber man lachte - oder etwas Bemitleidenswertes - oder gar etwas Furchteinflößendes. Es waren flüchtige Bilder, doch sie blieben unvergesslich, und sie hinterließen ein bleibendes Erbe. Hollywood, die große Schöpferin von Mythen, brachte Heteros bei, was sie über Homosexuelle denken sollten... und Homosexuellen, was sie über sich selbst denken sollten. Diskutiert eure Lieblingsfilme im Forum. |
Infos(The Celluloid Closet,
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