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DykesVision / Lesbenfilme / Aimée und Jaguar 2 |
Aimée und JaguarKritik von Imke, Teil 2Felice entschließt sich, bei Lilly zu bleiben, in der Hoffnung, nicht von den Nazis entdeckt zu werden. Trotz der lebensbedrohlichen Umstände - Berlin wird weiterhin bombardiert - erleben die beiden Frauen gemeinsam mit Lillys Kindern eine Zeit des Glücks. Dieses Glück wird brutal zerstört, als Lilly und Felice im August 1944 nach einem übermütigen Badeausflug an der Havel zu Hause von der Gestapo empfangen werden. Felice wird festgenommen und ins Jüdische Krankenhaus Berlin gebracht. Wenige Wochen später kommt sie nach Theresienstadt, die "Schleuse" ins Vernichtungslager Auschwitz. Eines der unfassbarsten Elemente in dieser wahren Geschichte wird im Film nur angedeutet: Dass es Lilly unter unglaublichen Kraftaufwand und unter Lebensgefahr fertiggebracht hat, nach Theresienstadt zu fahren, um Felice dort zu besuchen. Für Lilly Wust ist dies auch heute noch Beweis ihrer unerschütterlichen Liebe. Für ZeitzeugInnen und FreundInnen der beiden dagegen Beweis von Lillys Selbstsucht und Naivität. Sie werfen ihr vor, damit bewirkt zu haben, dass Felice von Theresienstadt nach Auschwitz transportiert worden ist. Bis heute sind die Umstände von Felices Tod nicht vollständig geklärt, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sie bei einem der berüchtigten "Todesmärsche" auf dem Weg von Groß Rosen nach Bergen Belsen ums Leben gekommen ist. ![]() Max Färberböck hat seinen Film klug angelegt, nie bedient er die Klischees, die der Nazi-Zeit üblicherweise zugeschrieben werden. Und nie verfällt er dem Kitsch, was bei der zugrundeliegenden Story in der Tat verführerisch gewesen wäre. In komplexen Charakteren wird Geschichte lebendig, ohne dass der berühmte Zeigefinger erhoben wird. Durch Färberböcks geradezu spielerischen Umgang mit der Historie erreicht uns der in einigen Szenen sparsam eingesetzte Humor umso wirkungsvoller - vielleicht einmal abgesehen von dem unverständlichen Wagnis, Detlev Buck den Günther Wust spielen zu lassen, wo doch längst klar ist, dass Buck in Filmen stets fehlplaziert wirkt, die er nicht selbst gedreht hat. Heike Makatsch dagegen überrascht durch ihre gelungene Darstellung von Felices Freundin Clärchen. Dem Drehbuch ist außerdem zugute zu halten, dass es durch die Figur des Hausmädchens Ilse, die es in der Realität nicht gegeben hat (die jedoch eng an Lillys Hausmädchen Ulla angelehnt ist), eine distanziertere Perspektive außerhalb von Lillys Blickwinkel ermöglicht. Es ist klar, dass der Film auf den Berichten und Interviews von Lilly Wust beruht. Dementsprechend schildert er eine große, leidenschaftliche und bedingungslose Liebe. Durch Ilses Reaktionen in manchen Szenen des Films bekommt diese Perspektive allerdings Risse: Hat Felice Lilly in erster Linie umworben, weil sie einen sicheren Unterschlupf brauchte? Wie selbstlos und "groß" war Lillys Liebe wirklich? Lilly hatte einen Pass, Felice nicht. War es da nicht ein Leichtes für die bis zur Besitzergreifung eifersüchtige Lilly, die freiheitsliebende Felice zu erpressen? Und war es Liebe oder Selbstsucht, Felice in Theresienstadt zu besuchen? Aufschlußreich ist auch die Szene zwischen der alten Lilly Wust und Ilse im Altersheim, als Ilse auf Lillys Äußerung "Weißt du, ich glaube, das Schicksal hat mich betrogen" lapidar erwidert: "Du hast dich betrogen und sonst keiner." - "Fünfzig Jahre, Ilse, fünfzig Jahre. Ein Gedanke, ein Gesicht, ein Name." - "Eins, meine Süße, ist eine ganz dumme Zahl, die reicht nie..." Ohne Kritik blieb Max Färberböcks Werk nicht, dazu sind zu viele irritierende Brüche im Film, ist das zerbombte Berlin zum Teil zu sehr zur Hollywood-Kulisse geraten. Unstrittig dagegen bleibt die großartige Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen, deren hervorragendes Spiel sicher dem Zusammenspiel von außerordentlicher Begabung und guter zwischenmenschlicher Chemie zu verdanken ist. "Es war sehr einfach, sich vor der Kamera in sie zu verlieben", rief die strahlende Maria Schrader dem begeisterten Berlinale-Publikum zu, den Silbernen Bären unter den Arm geklemmt. In der Tat sprechen beide Künstlerinnen in Interviews von einer starken Intensität in ihrer Zusammenarbeit. ![]()
Juliane Köhler: "Es ist nicht selbstverständlich, dass zwei Schauspielerinnen, die in einem Film gleichwertige Rollen haben, so gut zusammenarbeiten. Es gibt wenige Schauspieler wie Marie Schrader, die so prompt reagieren. Mit ihr zu spielen war aufregend. Mit welchen Variationen ich eine Rolle auch spielte, immer bekam ich sofort eine Antwort. Wir konnten uns gemeinsam richtig in die Szenen hineinsteigern." ![]()
Und Maria Schrader: "Ich hatte sofort ein sehr vertrautes Gefühl zu ihr. Und Respekt. Sie hat mich immer wieder überrascht. Juliane hat so viel Kraft und Ausdauer. Sie geht rückhaltlos in eine Szene, wie ein richtiges Theatertier. Ich wußte, ich kann den Ball mit ganzer Kraft über das Netz schlagen und sicher sein, sie kriegt ihn." Maria Schraders charmante Felice schwebt durch den Film, immer die Gestapo im Nacken und doch mit Lust an der Gefahr: "Felice ist ein Kraftbolzen ... Wie eine Rakete, die immerzu durchstartet, weil sie soviel Energie hat. Sie weiß genau, dass das Leben schnell vorbei sein kann, und das gibt ihr Lebensmut ... Das macht sie groß und intensiv." Juliane Köhler gelingt es, die Wandlung der Lilly Wust von der naiven Mitläuferin zur kompromisslosen Kämpferin glaubwürdig zu verkörpern. Und welche, die den Film gesehen hat, erinnert nicht die herzzerreißenden Neins im Moment von Lillys seelischem und physischem Zusammenbruch. Juliane Köhler: "Je mehr ich mich an die Person heranarbeite, desto mehr gewinne ich sie lieb. Ich versuche, alles, was sie ist, alles was sie tut, zu rechtfertigen. Ich habe für mich alles gerechtfertigt, was Lilly tut, sonst hätte ich das gar nicht spielen können ... Neulich schrieb ich Lilly Wust. Als die Antwort im Briefkasten lag, als 'Lilly Wust' auf dem Absender stand, da habe ich einen riesigen Schreck bekommen und Herzklopfen. Lilly Wust, dachte ich, aber das bin doch ich!" Was also bleibt, ist ein intensiver Film mit zwei herausragenden Schauspielerinnen, die für ihre Darstellung die begehrtesten deutschen Preise (Bayerischer Filmpreis, Deutscher Filmpreis, Silberner Bär) und auch viel internationale Anerkennung bekommen haben. Es bleibt eine nach mehreren Suizidversuchen nun durch das Erzählen ihrer Geschichte wieder ins Leben zurückgekehrte Lilly Wust, es bleibt die durch die gemeinsame Arbeit entstandene Freundschaft zweier Schauspielerinnen - und es bleibt eine zweite Felice: Maria Schrader hat ihre kurz nach den Dreharbeiten geborene Tochter Felice genannt.
P.S.: Quelle der Zitate: Senator-Film. Diskutiert eure Lieblingsfilme im Forum! |
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